Kunstgeschichten


An dieser Stelle präsentiere ich seit November 2016 in unregelmäßigen Abständen erlebte Geschichten
aus der Kunstwelt und subjektive Gedanken zum kulturellen Geschehen v.a. in Stuttgart und der Region.

Wer die Texte ergänzen und/oder kommentieren möchte, darf gerne eine E-Mail mit dem Betreff
„Kunstgeschichten“ an info@galerie-schacher.de schicken.

Marko Schacher



Zu "Galerist: Beruf, Berufung oder Bürde?" (derzeit 1/17-10/17) bitte 6 Meter nach unten scrollen


18_Knutschen im Kunstmuseum
Tino Sehgals "konstruierte Situationen" demokratisieren die Kunst


Stuttgart, 10.20 Uhr. Nanu! Ein knutschendes Paar mitten im Kunstmuseum? So dermaßen innig ineinander verschlungen? Und jetzt legen sie sich auch noch auf den Boden! Nebeneinander, übereinander. Und dabei bewegen sie sich sehr langsam, fast wie in Zeitlupe, so dass bestimmte Positionen zu temporären Skulpturen werden. Aber er, der Mann/der Junge (irgendwo dazwischen) scheint nicht ganz bei der Sache zu sein, schaut in den ansonsten leeren Raum. Zu den irritierten Besuchern. Durch die Besucher hindurch. An der hinteren Wand liegt ein zweites Mädchen. Die vermeintliche Liebesszene vor ihr interessiert sie nicht. Sie windet sich auf dem Boden. Oder liebkost sie sich selbst? Ist sie eifersüchtig? Will sie dazu gehören? Da betritt ein drittes Mädchen den riesigen Raum und nähert sich dem vermeintlichen Liebespaar. Setzt sich, fängt an zu murmeln, zu zischen, zu brabbeln, zu singen. Er steigt mit ein, kommuniziert mit ihr, summt mit, antwortet ohne Worte. Seine erste Partnerin steht auf und verlässt den Raum. Ein zweiter junger Mann kommt. Setzt sich zum neuen Paar. Macht mit, ohne sich aufzudrängen. Gesungene Worte wie "Seventies", "Season" und (oder?) "Session" ergänzen den von den Lippen und den Stimmbändern geformten Rhythmus. Da plötzlich ein "Oh, Baby", aber keine weitere Textzeile. Sie geht. Eine neue junge Dame kommt, setzt sich ein wenig weiter weg, brummelt, beatboxt, blubbert. Ein wenig später sind insgesamt neun performende Protagonisten im Raum...

Tino Sehgal, der Schöpfer dieser "konstruierten Situationen" bzw. „Szenen“ (so nennt der Künstler seine Werke) nennt seine Performer "Tänzer". Die ab heute und bis zum 29. Juli anlässlich der Verleihung des Hans-Molfenter-Preises an ihn während der gesamten Öffnungszeiten des Kunstmuseums Stuttgart dargeboten Werke sind ein Querschnitt seines Schaffens aus den letzten 16 Jahren. Ausgewählt und abgestimmt auf die Rahmenbedingungen vor Ort. "Ich fragte mich, was ist die angemessene Reaktion auf die vorgefundene Situation", sagt Sehgal beim Pressegespräch. Gereizt habe ihn vor allem die Situation des „sich aufhaltenden Laufens“ auf der Königsstraße und der Übergang zwischen Innen und Außen, das Ineinanderübergehen des Bereichs vor dem Kunstmuseum in das als Cafe benutzte Foyer des Kunstmuseums. Damit setzt er eine 2016 in Marokko begonnene Idee fort. Ausgewählt hat Tino Sehgal vor allem Werke, die Bewegung, Tanz und Musik beinhalten. Für Stuttgart wurde gar ein neues, noch unbetiteltes Werk geschaffen.
Wobei die "Szenen" verwebt werden und die Grenzen fließend sind. Tino Sehgal: "Ich sehe die Werke als szenisches Material, das ineinander übergeht". Dass keine Aufführung der anderen gleicht, versteht sich von selbst. Einerseits improvisieren seine stimmerprobten Tänzer (sein Stammteam aus Berlin und Brüssel) ständig, müssen – auch im Dialog mit den Besuchern – immer wieder improvisieren, andererseits wirken sich Tagesform, Qualität des Mittagessens, etwaiger Muskelkater, die Stimmung innerhalb der Truppe usw. auf die Darbietungen aus.
Theoretisch könnten und können sich auch die Besucher aktiv in die Szenen einmischen und die Grenze vom passiven Rezipienten zum aktiven Darsteller überschreiten (laut Künstler gerne). Innerhalb des Kunstmuseums wird das kaum passieren. Dort sind die Szenen Kunst. Heilige Kunst. Die Sachlage ändert sich aber in dem Moment, in dem sich die singende und summende Gruppe aus dem ersten Ausstellungsraum des Museums ins Foyer bewegt und sich dort in einer Linie, dicht aneinander gedrängt auf den Boden legt, den Weg ins Kunstmuseum versperrt, die Besucher behindert.

Am spannendsten ist vielleicht die Situation vor dem Kunstmuseum. Denn nachdem sich im Foyer eine junge Protagonistin aus der Truppe regelrecht herausgeschält und sich divenhaft in die Luft gebohrt hat, strebt sie den Eingang/Ausgang an. Die anderen folgen ihr tanzend, ihre Füße über den Boden schleifend, teils stolzierend, dabei immer weiter summend und singend. Vor dem Kunstmuseum dann die Konfrontation mit dem gemeinen Shopping-Volk. Dort fällt die singende und tanzende Gruppe weitaus weniger auf. Wenngleich ihre fließenden, später zuckenden Körperbewegungen nur ganz entfernt an Breakdance-Moves erinnern.
"Ist das eine politische Demonstration?", fragt mich eine Passantin. Interessante Frage. In gewisser Weise schon. Wenn man den Abbau der Hemmschwellen vor der vermeintlich hohen Kunst als "politisch" erachtet. Im Sinne einer Demokratisierung der zeitgenössischen Bildenden Kunst.
Die Kuratorin Anne Vieth betont im Pressgespräch die von Tino Sehgal angestoßene Hinterfragung der Museumsabläufe und sagt: "Das ist keine monografische Ausstellung in dem Sinn". Die Grenzen zwischen Kunstwerk, Architektur und Alltag verschmelzen.

Dass all diese unbeholfenen Worte, dieser gesamte Text ein leibhaftiges Erleben vor Ort, am besten ohne Smartphone-Schnappschüsse, nicht ersetzen kann, ist klar. Wir sind aufgefordert, die Kunst im Hier und Jetzt zu erleben. Mit möglichst vielen Sinnen. Auch wenn das im Zeitalter der Selfies und Youtube-Filmchen schwierig erscheint.
Konsequenterweise verbietet Tino Sehgal die Bewerbung seiner Ausstellungen mit Fotografien (erlaubt sind Skizzen, siehe Kunstmuseums-Homepage). Das war schon immer so. Selbst Titelschildchen gibt es vor Ort nicht. Einen Katalog oder einen ausliegenden Handzettel auch nicht. Lediglich ein kleiner Hinweis an der Kasse des Kunstmuseums muss reichen, um die Besucher auf eine der spannendsten "Ausstellungen" in Stuttgart ever hinzuweisen.

Nachtrag: Beobachtung am Rande der offiziellen Vernissage: 18.45 Uhr, ein stadtbekanntes Kunsthistoriker-Paar kommt in den ersten Raum, in dem acht Tänzer gerade mit einer Art Mönchsgesang eine der poetischsten Szenen von Tino Sehgal aufführen. Statt sich die Darbietung anzusehen, scannen beide das anwesende Publikum nach wichtigen und/oder bekannten Personen ab. Offenbar erfolglos. Er flüstert ihr ins Ohr: "Sag mal, wo ist dieses Künstlergespräch?". Insofern ist Tino Sehgals Beitrag auch ein schöner Test, wer welche Prioritäten im Museum hat und wer wieweit im Hier und Jetzt leben kann.

Marko Schacher, 22. Juni 2018

Das Pressegespräch, die Vorbesichtigung und die Vernissage fanden am 22. Juni 2018 statt.
Die "Szenen" von Tino Sehgal waren bis zum 29. Juli 2018 im und vor dem Kunstmuseum zu sehen
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Schöne Ergänzung: 13_Schamanen oder Showmen? Grenzerfahrungen zu...Tino Sehgal und Fluxus
Zum Lesen hier 10 Meter nach unten scrollen
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17_Das Allover der Reize verwirrt und fasziniert zugleich
Die Schwierigkeit, eine gute Eröffnungsrede zu schreiben und vorzutragen

Eine Rede für eine Ausstellungseröffnung zu schreiben ist eine schöne, aber auch höchst undankbare Aufgabe. In der Soziologie (habe ich sechs Semester lang bis zur Zwischenprüfung studiert) nennt man die Situation "Intrarollenkonflikt". Die Hausherrin/der Hausherr hat eventuell ganz andere Erwartungen an den Inhalt einer Vernissagen-Rede als die ausstellende Künstlerin/der Künstler. Und den Bürgermeister, der direkt vor einem die meist ungelenken Begrüßungsworte spricht, will man ja auch nicht verärgern oder bloßstellen. Das Vernissagen-Publikum hat wiederum nochmals ganz andere Erwartungen an den Redner. Und man selbst hat ja auch gewisse Anliegen und Ansprüche an sich selbst!
Das Online-Lexikon Wikipedia schlägt vor: "Da eine Erfüllung aller Erwartungen unrealistisch ist, muss abgewogen werden, welche Erwartungen besser erfüllt werden sollten und welche nicht. Eine Nicht-Erfüllung kann natürlich auch negative Konsequenzen mit sich bringen und deshalb wird die Entscheidung in den meisten Fällen für die Erwartung mit den geringsten Folgen fallen." Aber was heißt das im konkreten Fall?
Nehmen wir letzte Woche, als ich die Aufgabe hatte, die Reden zur Gruppen-Ausstellung "Behausung" (sieben Künstlerinnen!) des Bundes Bildender Künstlerinnen im Kunstbezirk Stuttgart zu schreiben und zur Doppelausstellung "Gehäuse" von Jenny Winter-Stojanovic und Hanjo Schmidt in der Städtischen Galerie Ostfildern. Es mag Kollegen geben, welche die Ausstellung, zur der sie die Einführungsrede halten, im Vorfeld gar nicht besuchen und sich an digitalen Bildern orientieren. Und es gibt Kollegen, die in ihrer Vernissagenansprache zwar ausführlich auf die Biografien der Künstler und die (große) Bedeutung deren Werke für die Kunstgeschichte eingehen, aber kein einziges Wort über die ausgestellten Arbeiten verlieren. Manchmal redet der eingeladene Redner auch gar nicht über die Ausstellung, sondern über ein mehr oder weniger damit zu verknüpfendes Phänomen. Das kann gut gehen: Ich erinnere mich an eine fantastische Rede von Kurt Weidemann zu einer Gruppenausstellung im Rahmenprogramm der Fototriennale 2004 im Esslinger Freibad, in der dieser viel über seine früheren Freibadbesuche und die Nicht-Ästhetik der meisten Badegäste erzählte, aber nichts zu den Exponaten. Auch die anschließende Wasserballett-Vorführung im Hauptbecken war mal etwas ganz Anderes als die sonst üblichen Klarinetten-Klänge von Musikschulen-Schülerinnen. Manchmal ist es den Veranstaltern auch völlig egal, was der Redner redet. Es ist nur wichtig, dass er redet. Weil bereits sein Promi-Status und seine vermeintliche Aura als Motivation für die Besucher, zur Ausstellung zu kommen (und dort zu bleiben) ausreicht.

Ich selbst habe vor allem Ansprüche an mich selbst. Dieser - Achtung Unterschied –"Interrollenkonflikt" (ich als Galerist, Kurator, Journalist, Kumpel der Künstlerin, Bekannter der Hausherrin, Mensch, Mann etc.) – reicht mir schon!
Bis auf zwei Fälle, in denen ich die beteiligte Künstlerin sehr gut kannte und mir Ausstellungsansichten e-mailen ließ, habe ich alle von mir redemäßig zu eröffnenden Ausstellungen im Vorfeld besucht. Und in den meisten Fällen auch mit den Künstlern gesprochen. Im Falle der erwähnten "Behausung"-Schau (sieben Künstlerinnen!!) hat das ein wenig gedauert! Dass alle Künstlerinnen bei meinem Vorabbesuch am Nachmittag des Aufbau-Tages noch anwesend waren, war von mir kein ausdrücklicher Wunsch, dann aber doch auch hilfreich. Ohne die im persönlichen Gespräch aufgeschnappten Hintergrunds-Informationen wäre die Rede sicherlich anders ausgefallen. Ich vergleiche das Schreiben einer Rede gerne mit dem Malen eines Bildes: Der Text entsteht in dem Moment, in dem ich ihn schreibe, mit den Informationen, die ich zu diesem Zeitpunkt im Kopf und/oder auf meinem Notizblock habe. Überreichte Katalogtexte lese ich in der Regel nicht, um meinen Blick nicht unnötig zu beschweren. Würde ich den Text zu einem anderen Zeitpunkt schreiben (zum Beispiel zwei Stunden später), würden ganz andere Gedanken in Form von Zeilen aus dem Bildschirm meines Laptops quellen. Ich schreibe, streiche, überschreibe, ergänze, kürze hier, verlängere da – wahrscheinlich ähnlich, wie ein Maler die Leinwand bearbeitet. Hauptaufgabe: zu erkennen, wann man aufhören sollte.

Einführungen für Gruppenausstellungen zu schreiben, ist viel schwerer als für eine Einzelausstellung. Zu den oben erwähnten Intrarollenkonflikten kommen dann ja noch die einzelnen Erwartungshaltungen jedes Künstlers hinzu! Und die können sehr verschieden sein.
Eine Einführungsrede sollte meiner Meinung nach die Blicke der Zuhörer für die Exponate schärfen und sie motivieren, sich ein wenig mehr auf die Ausstellung einzulassen und, ausgehend von meinen Gedanken zu den konkreten Ausstellungsstücken, eigene Assoziationen zu suchen. Die Ausstellungsbesucher mit kunsthistorischem Wissen einzuschüchtern (ja, ich habe Kunstgeschichte studiert) ist scheisse. Meine Meinung. Wenn Besucher nach der Rede zu mir kommen (meist gerührte, ältere Damen) und mir sagen "Danke, Herr Schacher, zum ersten Mal habe ich in einer Rede alles verstanden", nehme ich das als Kompliment und Motivation, so weiter zu machen.
Dass aber Besucher Tränen in den Augen haben, passiert mir selten. Am Sonntag ist mir das passiert. Und zwar ausgelöst durch die Rede, die Sie im Anschluss an diese – zugegebenermaßen sehr lange – Einleitung hier unten lesen können. Oder besser gesagt: ausgelöst durch die Exponate der Ostfildener "Gehäuse"-Schau und meine Rede.
Eine schlüssige, funktionierende Dialog-Ausstellung hinzubekommen, ist nicht immer einfach. Mit meiner eigenen Galerie versuche ich das seit acht Jahren. Manchmal gleicht die Dialog-Ausstellung zwei Monolog-Ausstellungen. Im vorhanden Fall "Gehäuse" kannte ich die Künstlerin Jenny Winter-Stojanovic ganz gut, den Künstler Hanjo Schmidt aber gar nicht. Das Vorabgespräch mit beiden in der Galerie war gar nicht sooo lang, aber anregend. Wie für viele offenbar auch meine Rede, die ich auf vielfachen Wunsch hier gerne zur Diskussion stelle und ggf. als Vorbereitung zum Ausstellungsbesuch empfehle.
Dass ich hier auf meinen Lieblingssatz "Das Allover der Reize, verwirrt und fasziniert zugleich", den ich seit vielen Jahren in alle Museums-Besucherbücher auf der ganzen Welt hinein schreibe und bereits in unzähligen Artikeln verwendet habe, verzichte, spricht für sich selbst und dafür, dass ich genügend andere, neue, ungewohnte Gedanken im Kopfkino hatte. Oder dafür, dass ein gewisser (Rest)Alkoholgehalt beim Schreiben und Vortragen von Gedanken gar nicht so hinderlich ist? Achnee, letzten Satz schreibe ich lieber nicht. Das ist mir zu privat.

Hier die (leicht gekürzte) Rede vom 22.4.2018:

Wenn Sie das Internet-Lexikon Wikipedia fragen, was ein "Gehäuse" ist, so antwortet es: "Ein Gehäuse ist eine feste Hülle, die einen empfindlichen Inhalt schützend umgibt, oder die Umgebung vor einem gefährlichen Inhalt schützt." Zudem verweist Wikipedia auf die gängigen Verwendungen im Zusammenhang mit Kernobst ("Kerngehäuse") und Technik ("Kameragehäuse", "Computergehäuse", "Lautsprechergehäuse"). Weitaus poetischer wendet Hanjo Schmidt im Vorwort seiner gleichnamigen Broschüre den Begriff "Gehäuse“ auf den menschlichen Körper an und bezeichnet den Kopf des Menschen als "Haus und Heimat des Selbst", und weiter hinten im Text als "Tresor für das Gehirn". Nicht schlecht!
Wie Sie schon teilweise gesehen haben und noch hören werden, ist "Gehäuse“ ein höchst passender Titel für die Dialog-Ausstellung von Hanjo Schmidt und Jenny Winter-Stojanovic. Beide haben das Gehäuse diverser Menschen "geknackt“. Beide haben hinter die Fassade des menschlichen Antlitzes geschaut, haben den Gesichts-Vorhang beiseite geschoben und sind in Bereiche vorgedrungen, wo es gleichermaßen weh tut, wie poetisch wird.
Eigentlich ist "Gehäuse" eine doppelte Dialog-Ausstellung, also eine Art Vierfach-Ausstellung. Denn Hanjo Schmidt hat, ausgelöst durch die Alzheimer-Erkrankung seiner Mutter, den Dialog mit seinem eigenen Gesicht gesucht und gefunden. Und Jenny Winter-Stojanovic hat den Dialog mit den Bewohnern und Besuchern des Nachbarschaftshauses gesucht – und ebenfalls gefunden.
Ganz interessant: Der erste Kontakt zwischen Hanjo Schmidt und Jenny Winter-Stojanovic hat bereits im Sommer 2013 stattgefunden (ohne dass es Hanjo Schmidt damals mitbekommen hat) und zwar innerhalb der "Das Antlitz!" betitelten Künstlermitglieder-Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins. Ich war damals übrigens auch zugegen und von dem präsentierten Gemälde "Gehäuse III" sehr angetan und berührt. Und Jenny Winter-Stojanovic, wie sie mir verraten hat, auch. Und das will inmitten von über 300 Exponaten durchaus was heißen!
Die Präsentation damals im Württembergischen Kunstverein war ziemlich grausam, Exponat neben Exponat neben Exponat. Dank Holle Nann haben die fünf innerhalb eines halben Jahres entstandenen
"Gehäuse"-Gemälde von Hanjo Schmidt endlich einen würdigen Rahmen gefunden, ja hier mit dem Ostfildener Stadthaus selbst ein adäquates, stilvolles Gehäuse bekommen.
"Fotorealistische Malerei finde ich sterbenslangweilig", sagt der Künstler in einem  Video, das Sie im Internet finden. Ich übrigens auch. Hanjo Schmidts Malerei versucht erst gar nicht, uns einen Realismus vorzugaukeln. Die Werke geben sich eindeutig als Malerei zu erkennen. Die mit flachen, breiten Pinseln aufgetragene Acrylfarbe bildet auf der Leinwand Schlieren, Seen, Wiesen, Hügel. Das Gesicht wird zur Landschaft, aber auch zur Architektur.  Schließlich – das sei hier angemerkt – hat der Künstler einst auch eine Maurerlehre gemacht und Architektur studiert.
Mit einem Kamm in die Oberflächen hinein gekratzte Linien geben Haare wieder. Das Verwunderliche: Trotz der expressiven Grobheit des Farbauftrags erkennen wir individuelle Konturen, Eigenheiten – und Einzelheiten: Bartstoppeln, Gesichtsfurchen, Stirnfalten, Augenringe, gerötete Nasen und lädierte Hautpartien. Trotz der vermeintlichen Hässlichkeit der verwendeten Farben und der Neigung des Künstlers das menschliche Gesicht als "Ansammlung von Gewebe, das der Schwerkraft unterliegt" zu sehen, ist das Resultat zwar nicht klassisch schön, aber doch höchst sinnlich.
Warum er sich mit seinem eigenen Körper auseinandersetzt, warum er die entstehenden Gemälde auf keinen Fall als "Selbstportraits" verstanden werden möchte und warum er so groß malt, unter anderem darauf gibt Hanjo Schmidt in seiner Broschüre gut formulierte Antworten, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: "Nach zehn Jahren, in denen ich Körper und Gesichter von jüngeren Menschen beobachtet und gemalt habe, begann ich mich auf den alternden Körper zu konzentrieren, um mit dem Pinsel darüber nachzudenken, was mit mir  selbst geschieht. Doch selbst wenn ich für den Großteil meiner derzeitigen Produktion den eigenen Körper als Modell nehme, heißt das nicht, dass mein Ziel dabei Selbstportraits wären. Mein Körper ist dabei nur Beispiel für ein allgemeines Phänomen. Und die Bilder sind groß, weil der heftige, leiden-schaftliche und schnelle Farbauftrag im kleinen Format nicht zu realisieren ist. Außerdem schaue ich auf Leute und besonders auf ihre Gesichter wie durch eine Lupe. Deshalb ist das Ergebnis notwendigerweise vergrößert."
Die Auseinandersetzung mit seinem eigenen Körper birgt für den Künstler viele Vorteile. "Ich kann das selbst inzwischen ganz gut, kein typisches Fotografier-Gesicht zu machen", hat er uns am Montag gesagt. Und etwas salopper: "Ich bin ja immer da...und mach jeden Scheiß mit."
Bei den "Gehäuse"-Bildern lenkt kein Vorder- oder Hintergrund vom Hauptmotiv ab. Auf dem Gemälde "Fermata" ist allerdings ein Boden angedeutet, und auf dem "Tabletop"-Gemälde eine Tischplatte. Das "Fermata" betitelte Bild zeigt den Künstler auf dem Boden liegend, die Beine angezogen, in geschützter Embryonalstellung, mit geschlossenen Augen. Kein Wunder "Fermare" (italienisch) heißt so viel wie "anhalten". In der Musik ist eine "Fermate" ein Ruhezeichen, das dem Musiker ein Innehalten in der Bewegung anzeigt. Auslöser für das Gemälde war die Hiobs-Botschaft, dass der Künstler aus seinem jahrelang bezogenen Atelier ausziehen muss. Das damit thematisch verwandte "Tabletop"-Gemälde zeigt den Kopf des Künstlers wie auf einem Schafott über der Holzkante seines Arbeitstisches hängend, sich aufgebend, das Unheil erwartend
Ja, sicherlich, auch das große Format der Gemälde mag dazu dienen, uns zu beeindrucken. Vielleicht schreckt es manche Besucher aber auch ab. Quasi auf Nasenloch-Höhe mit den überdimensionalen Köpfen können wir fast nicht anders, als in das Farbenmeer einzutauchen.
Who is afraid of Pink, Violet and Grey? Statt Erhabenheit wie bei Barnett Newman winkt dem mutigen Betrachter der Hanjo Schmidt-Gemälde Ergriffenheit, vielleicht auch Ernüchterung. Adrienne Braun hat das sehr zutreffend formuliert: "Man ahnt die Tragödie des Menschen: er muss nicht nur die Welt ertragen, sondern auch sich selbst."
Vor allem aber musste Hanjo Schmidt die ihrer Alzheimer-Krankheit verschuldete Verstummtheit seiner Mutter ertragen. Zwei Jahre hat seine Mutter nicht gesprochen. "Ich musste meine Mutter zwangsweise als Gegenstand anschauen", hat mir der Künstler am Montag gesagt. Was macht man, wenn die vermeintlichen "Fenster zur Seele", die Augen, verschlossen sind? Inwieweit lässt sich ein Charakter oder Gefühlszustand erkennen, wenn die Augen zu sind? Mit seinen "Gehäuse"-Bildern hat Hanjo Schmidt Antworten gesucht.
Wie der der Werktitel verrät, basiert das Gemälde "Three Weeks Left" auf einem drei Wochen vor dem Tod seiner Mutter entstandenen Foto. Entstanden ist es im Speisesaal eines Altersheims, als sich die alte Dame plötzlich zu ihrem Sohn dreht und sich dieser "ertappt" fühlt.
Die eine Gesichthälfte ist verschattet. Das von uns aus gesehen linke Auge hat seinen Geist buchstäblich aufgegeben, scheint entrückt zu sein und bereits ins Jenseits hinüber zu schielen. Das rechte Auge wiederum blickt uns durchdringend an und scheint uns aufzufordern, Stellung zu beziehen, uns selbst Gedanken über das Altern in Würde und das eigene unaufhörliche Vergehen zu machen.
Das ist ein schöner Übergang zu den Exponaten von Jenny Winter-Stojanovic.
Als langjähriger Kenner des Oeuvres der Künstlerin und als Ihr Galerist war ich über die Stille und Zurückhaltung ihrer Ausstellungsbeiträge verwundert.  Wer 2017 ihre raumgreifende Installation vor der Städtischen Galerie Böblingen oder – auch letztes Jahr – ihre zwölfstündige Performance im Schorndorfer Röhm-Areal gesehen hat, weiß, dass Jenny Winter-Stojanovic auch die große, raumgreifende Geste beherrscht. Hier in der Städtischen Galerie Ostfildern können und dürfen wir die stille, poetische Seite ihrer Schaffens kennen lernen. Das hat natürlich mit der Dialog-Situation hier im Gebäude zu tun, mit dem Respekt  der Künstlerin vor den Gemälden von Hanjo Schmidt, und mit ihrer Sensibilität für den Raum.
Und das äußert sich auch in den unaufgeregten Titeln der Exponate, die lediglich den Ort innerhalb der Ausstellung wiedergeben: "unter der Treppe", "im Luftraum hinter der Treppe", "vor den Fenstern".
Wie wir oben, vor den eindrucksvollen, über drei Tage hinweg aufgenommen Fotos von Jürgen Bubeck sehen, hatten die älteren Damen und Herren im Nachbarschaftshaus viel Spaß bei der Annäherung an das mitgebrachte Material. Als vertrautes Küchen-Utensil mag es bei manchen Deja-Vus ausgelöst und Erinnerungen an einst mitnahmefertig gemachte Butterbrote geweckt haben. Die Kontaktaufnahme mit der Kunst ist überwiegend durch die Hände passiert. Nach und nach haben an den Besuchstagen der Künstlerin abstrakte Objekte wie Frischhaltefolienrollen, Steine und Holzstücke die in Pflegeheimen kursierenden Handpuppen ersetzt. Natürlich hat die Künstlerin auch über ihre Kunst und ihr Verständnis von künstlerischen Beiträgen gesprochen. Der von Joseph Beuys inzwischen weit gedehnte Begriff der "sozialen Plastik" ist dabei sicher nicht gefallen, auch wenn er das von der Künstlerin initiierte kreative Handeln zum Wohl der Gemeinschaft ganz gut beschreiben würde. Und das Wort "Plastik" in seiner Doppeldeutigkeit auch gepasst hätte. "Soziales Plastik" wäre ja auch mal ein schöner Ausstellungstitel.
Die Folie macht ihrem Namen alle Ehre und hält die Ereignisse fest und frisch.Wie wir sehen: Die Frischhaltefolie büßt ihre Sterilität und Durchsichtigkeit weitestgehend ein, darf dafür aber ihre gestalterischen und symbolischen und poetischen Potentiale entfalten. Die Folie, welche die Holz-Stücke umhüllt/verhüllt, verhindert den Zugriff auf die Jahresringe des Baumes – so wie Demenz-Erkrankungen den Zugriff auf Erinnerungen vernebeln und behindern. In Millionen von Jahren von den Naturgewalten geformte Sedimentgesteine werden mit Hilfe der Frischaltefolien zu überdimensionalen Perlen abgerundet, teils auch zu poetisch veredeltem Ballast, der endlich abgeworfen werden kann. "Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist"?
Vielleicht passen dazu auch die miteinander verbundenen Folienstränge, die den Stadthaus-Besucher oben am Eingang vor dem Leuchtkasten empfangen und an überdimensionierte Nervenfasern und Synapsen erinnern.
Ob wir wollen oder nicht, wir müssen zu den Exponaten Stellung beziehen, im buchstäblichen Sinn des Wortes. Ein unemotionales Dran-Vorbei-gehen ist kaum möglich. Wer an den als Einleitung dienenden Fotografien von Jochen Bubeck entlang die Treppe nach unten geht, kommt zwangsweise in körperlichen Kontakt mit der um die Stufen gewickelten Kunst – ob er/sie will, oder nicht. Wer sich vorsichtig und achtsam gibt, hat schon was gelernt. Zum ersten Mal im künstlerischen Schaffen der Künstlerin tauchen fragile, nicht  wirklich hohe Nester auf. Als temporär geschichtete Gehäuse laden Sie unsere Hände und Gedanken zur  Erkundung ein.
Schauen wir uns noch einmal um: Selbstbewusste, ziehende, zerrende Kräfte und sich hingebende, sich regelrecht offen-barende Energien sind in ein optisches Gleichgewicht gesetzt. Starke und schwache Formen, blockierende / im Weg hängende und dahin gleitende Flächen ergänzen sich. Wer seinen Blick schweifen lässt, kann vor seinen Augen und in seinem Kopf die einzelnen Objekte zur poetischen Rauminstallation verbinden. Einst banale Frischhaltefolien, Steine und Baumstämme ergänzen sich zum
Märchengarten. Vom wem was ist, wird egal. Ob die Exponate von den Bewohnern und Besuchern der Demenz-Abteilung, der Tagespflege und des Bürgertreffs hergestellt wurden oder von der Künstlerin, ist nicht wichtig.
Die Installation lädt uns zum Perspektivenwechsel ein: Wer unter der Treppe steht, kann durch die Folien-Häute von Jenny Winter-Stojanovic hindurch auf die Menschen-Häute von Hanjo Schmidt schauen, und deren Beschaffenheiten vergleichen. Wer oben vor den Fenstern steht, und durch die in einem Holzgerüst gespannten,  spinnennetz-artigen Membrane schaut, sieht die Ausstellung verschleiert, vernebelt, unklar – so wie mancher ältere Besucher auch sonst.
Wie Hanjo Schmidt am Montag selbst bemerkt hat: In gewisser Weise sind die Exponate von Jenny Winter-Stojanovic, die durch Berührungen entstanden sind und zum Anfassen auffordern, die Antwort auf die von ihm und seinen Gemälden gestellte Fragen. Vielleicht liegt in der Berührung, in der haptischen Kontaktaufnahme eine Lösung, wenn der Kopf nicht mehr kann, was er will. 
Bei der Ausstellung "Gehäuse" handelt es sich um eine Versuchsanordnung mit offenem Ausgang.
Bitte lassen Sie sich durch meine Worte nicht einschüchtern. Das Schöne an der Ausstellung: Es gibt keine richtigen oder falschen Interpretationen. Die Skulpturen und Gemälde sind "offen" für Interpretationen und können völlig widersprüchliche Erinnerungen wecken.
Beiden Künstlern geht es nicht um illusionistische Doppelung oder eine wahrhaftige Dokumentation der Welt. Beide stehen zu ihren Ausgangsmaterialien. Mit dem klassischen Schönheitsbegriff kommen Sie hier nicht viel weiter.  Beide Künstler fordern uns auf, unseren von schnellen, hektischen, bunt-kreischenden Alltags- und Medienbildern versauten Blick zu verlangsamen und unseren Körper zu entschleunigen.
Während der Vorbesichtigung am Montagmorgen hatte ich die Gelegenheit, zehn Minuten allein in der Ausstellung zu sein. Und diese zehn Minuten kann mir niemand mehr nehmen. Mir kam es vor, als würde ich in eine höchst intime Situation hinein platzen, fünf Schlafende beim Träumen überraschen und die Frischhaltefolien beim Wachsen und Wuchern ertappen. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie fähig sind, ähnliche Erfahrungen zu machen. Ich wünsche den Künstlern, der Galerieleitung und der Stadt Ostfildern viel Erfolg, und viele Besucher.

Die obige Rede wurde am 22.04.2018 in der Städtischen Galerie Ostfildern gehalten; die Ausstellung "Gehäuse" ging bis 07.07.2018, die Gruppenschau "Behausung" im Stuttgarter Kunstbezirk bis 04.05.2018.

Die 5 "Gehäuse"-Gemälde von H. Schmidt gibts auch hier:
www.hanjoschmidt.com/-/galerie-2013/



16_Galerist: genervter Geschäftsmann mit Kaufmannsseele
Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst!

Gesendet: Mittwoch, 14. März 2018 um 19:33 Uhr
Von: "xxx.xxx@t-online.de" <xxx.xxx@t-online.de>
An: "info@galerie-schacher.de" <info@galerie-schacher.de>
Betreff: Kein Betreff


Sehr geehrter Herr Schacher,

nach meinem Diplom der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Tübingen, habe ich in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre das Fundament meiner künstlerischen Arbeit gelegt. Weil ich mir der Schwere meiner Aufgabe bewusst war, habe ich mich nicht gescheut für ein Ölgemälde mehr als 1000 Arbeitsstunden in kauf zu nehmen, um wirklich Großes und Bedeutendes zu schaffen. Davon zeugen die ersten zwei Fotos die ich Ihnen schicke. Die anderen Bilddokumente stehen für die Vielfalt und Schönheit meiner sehr persönlichen Bildsprache. Sicher sind Sie gut vernetzt und vielleicht kennen Sie Sammler und Kunstfreunde, welche sich für meine Interpretation der Kunstgeschichte begeistern können.

Frage: was kann ich selbst tun, um mich in der Stuttgarter Galerien- und Künstlerszene zu orientieren und zu vernetzen?

Kann man ein Praktikum in einer Galerie machen und könnte ein solches hilfreich für den Zugang zum Kunstmarkt sein?

Gibt es Kunstvermittler die eine professionelle Hilfe bieten?

In der Hoffnung, dass Sie sich die Mühe machen mir kurz zu Antworten verbleibe ich mit den besten Grüßen;

XXX XXX


Gesendet: Donnerstag, 15. März 2018 um 15:02 Uhr
Von: "Marko Schacher" <makaufzack@web.de>
An: xxx.xxx@t-online.de
Betreff: Feedback


Lieber Herr XXX,

für die Beantwortung all Ihrer Fragen fehlt mir leider die Zeit.
Mein Tipp: Werden Sie Mitglied einer Künstlervereinigung oder einer Künstlergruppe.
Oder gehen Sie mal auf www.kunstbuero-bw.de/home.html - und zu einem der Beratungstermine.
Ein Praktikum ist Quatsch.
Und mir gefallen Ihre Gemälde leider gar nicht.
Sorry.

Grüße

Marko Schacher

Schacher - Raum für Kunst, Stuttgart


Gesendet: Donnerstag, 22. März 2018 um 16:41 Uhr
Von: "xxx.xxx@t-online.de" <xxx.xxx@t-online.de>
An: "Schacher, Kay" <info@galerie-schacher.de>
Betreff: Kein Betreff


Sehr geehrter Herr Schacher,

Vielen Dank für Ihre Hilfe und Ihre schnelle Antwort. Da die Kunst aber bedeutend mehr ist als reine Geschmacksache finde ich Ihren negativen Kommentar über meine Gemälde einigermaßen verächtlich. Ich gehe jede Wette ein, dass Sie sich pro Gemälde nicht mehr als drei Sekunden gegönnt haben. Weil Sie darüber hinaus nur mit den Augen eines genervten Geschäftsmann gekuckt haben, haben Sie natürlich nicht wahrnehmen können, wie viel kreative Energie nötig ist, um die Stilelemente des ganzen 20. Jahrhunderts neu zu kombinieren und zu einem stimmigen Ganzen zusammen zuführen. Weil ich in der kontemplativen Arbeit der Ölmalerei meine Egosteuerung verliere, kann ich Botschaften aus den tiefsten Gründen der menschlichen Seele an die Oberfläche meiner Leinwand fördern. Das bleibt, mit Verlaub, dem flüchtigen Blick einer Kaufmannsseele verborgen. Da die Kunst die Sprache der Gefühle spricht, kann man sie nur verstehen, wenn man sein Herz dafür öffnet.

Als Beleg für meine untadelige Handwerkskunst übersende ich Ihnen das großartige Portrait eines ehemaligen, sehr bekannten Stuttgarter Kollegen von Ihnen. Vielleicht kann ich Sie ja als Portrait-Maler überzeugen und Sie erinnern Sich an mich, wenn Sie einmal einen Portraitauftrag zu vergeben haben.

Da mir die Kunst in erster Linie das geeignete Mittel zur Rekapitulation meines Lebens und meiner eigentlichen Bestimmung war und erst zweitrangig als Einkommensquelle und soziale Legitimation gedient hat, sprechen meine Bilder eine authentischer Sprache über das Drama des irdischen Lebens. Wichtiger aber ist, dass ich auf dem Grund meiner Seele die Matrix der Kabbala gefunden habe, ohne jemals vorher von ihr gehört zu haben. Damit bin ich weltweit wohl der Einzige, der die Herkunft dieses Mysteriums erklären kann. Deshalb kann meine Kunst absolut kein Irrweg und egoistische Selbstüberschätzung sein!

Mit freundlichem Gruß;

XXX


Gesendet: Samstag, 24. März 2018 um 13:29 Uhr
Von: "Marko Schacher" <makaufzack@web.de>
An: xxx.xxx@t-online.de
Betreff: Aw: Feedback

Hallo Herr XXX,

na, das ist doch super, dass Sie auf dem Grund Ihrer Seele die Matrix der Kabbala gefunden haben!
Dann brauchen Sie doch gar keine Ausstellungen - und auch keine subjektiven Meinungen von einem "genervten Geschäftsmann", der ich übrigens gar nicht bin.

mit freundlichen Grüßen

Marko Schacher

Schacher- Raum für Kunst, Stuttgart
www.galerie-schacher.de


Gesendet: Dienstag, 03. April 2018 um 22:49 Uhr
Von: "xxx.xxx@t-online.de" <xxx.xxx@t-online.de>
An: "Schacher, Kay" <info@galerie-schacher.de>
Betreff: Kabbala

Sehr geehrter Herr Schacher,

da ich Ihnen die Kabbala voll beleidigt vor die Füße gerotzt habe, bin ich über Ihren Spott auch ein bisschen amüsiert. Es ist doch normal, dass große Künstler auch im Verdacht stehen große Persönlichkeiten zu sein. Dafür verdienen sie auch eine entsprechende soziale Autorität. Große Kunst ist allgemein gültig und zeitlos und immer eine Botschaft an die ganze Menschheit, weil sie aus der kollektiven Menschenseele geschöpft wurde und nach den Gesetzen der Ästhetik und der Assoziation erkannt und mit handwerklichem Geschick ins sinnliche Leben geholt werden.

Weil die Gesetze der Ästhetik und der Assoziation auch als Navigationshilfen durch die dunkle Unendlichkeit unserer Seele tauglich sind, vermutet man in einem gelobten Künstler auch immer einen großen Seelenführer. Als ein Eingeweihter glaubte Dali sich seinem Schöpfer so nahe, dass er behauptete, er würde nicht wie ein gewöhnlicher Mensch, sondern wie ein Engel sterben. Folgerichtig war ihm ein Platz im Himmel gewiss!?

Weil ich nun auf meinem Weg des Wissens die Kabbala rekonstruieren konnte und mit Hilfe der Tolteken Krieger und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, tiefer in die Geheimnisse des Lebens schauen durfte, als Dali, Schopenhauer und Kant auf ihrem; nein auf dem Weg zum Wissen, kämpfe ich meinen Kampf mit Buddha und dem Ziel das Rad der Wiedergeburt zu verlassen. Im Tod finde ich meinen Lohn für ein erfolgreiches Leben.

Bis dahin aber möchte ich mein Wissen an die Menschheit weiter geben, um das kollektive Bewusstsein zu vertiefen und damit allen, die das Wissen suchen, den Weg zu erleichtern. Klar, dass ich dazu in die Öffentlichkeit gehen muss, um mir einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu erkämpfen. Allein, die Welt ist reich und satt; man will das Leben genießen und von ihrer Vergänglichkeit nur ungern behelligt werden.

Ich suche primär nicht nach einem Ausstellungsmacher, sondern nach einem Galeristen, der meine Werke zu einem angemessenen Preis verkaufen und mir den Zugang zur intellektuellen Elite möglich machen kann.

Mit freundlichem Gruß

XXX

P.S. Ich vermute, dass die Kabbala in Ihrem Leben noch keine große Rolle gespielt hat. Ehrlich gesagt ist die einzig jüdische Interpretation der Matrix so unanschaulich, dass sie kaum Interesse wecken kann und für einen Leser nur wenig nützliche Aussagen für das Leben offenbar macht. Meine Interpretation ist ungleich spannender, erkenntnisreicher und nützlicher.


Gesendet: Donnerstag, 05. April 2018 um 18:32 Uhr
Von: "Marko Schacher" <makaufzack@web.de>
An: xxx.xxx@t-online.de
Betreff: Aw: Kabbala


Hallo Herr XXX,

auch wenn ich bezweifle, ob Ihre Gemälde als "Navigationshilfen durch die dunkle Unendlichkeit unserer Seele" taugen, bewundere ich Ihr Selbstbewusstsein. Ob die Menschheit (schon?) bereit ist, die Botschaft Ihrer Werke zu verstehen? Ich fürchte, in der "Mitte der Gesellschaft" war noch nie Platz für Künstler.

Ich denke, dass ich ungeeignet bin, Ihre Werke "zu einem angemessenen Preis" (was das auch immer heißt) zu verkaufen. Und was "den Zugang zur intellektuellen Elite" angeht...naja...Sie waren noch nie in meiner Galerie, oder? Wenn meine Besucher wirklich kunstinteressiert sind und sich wirklich auf die Exponate einlassen und emotionale Regungen zu lassen (statt das berühmte rote Bild übers rote Sofa zu suchen), ist das schon viel!

Grüße

Marko Schacher

P.S. Dali ist garantiert nicht im Himmel gelandet!

Und ja, die Kabbala spielt in meinem Leben keine große Rolle...nicht dass ich wüsste zumindest.


Gesendet: Donnerstag, 26. April 2018 um 18:07 Uhr
Von: "xxx.xxx@t-online.de" <xxx.xxx@t-online.de>
An: "Schacher, Kay" <info@galerie-schacher.de>
Betreff: Suche


Sehr geehrter Herr Schacher,

danke für Ihre Rückmeldung. Sie beschreiben Ihren Galeriebetrieb, als wäre es ein Kaufhaus, welches  überwiegend mit Laufkundschaft zu kämpfen hat. Ich war bislang im Glauben, dass eine Galerie, so sie nicht als Hobby für Wohlhabende verstanden wird, nur dann gewinnorientiert geführt werden kann, wenn man bestens vernetzt ist. Ohne persönliche Kontakte in Gesellschaft, Politik und zu den Medien kann doch keine Galerie erfolgreich auf dem Kunstmarkt sein.

Bedauerlich ist vor allem, dass Galerien keinem Ehrenkodex verpflichtet sind, der sie zur Förderung und Unterstützung unbekannter Künstler verpflichtet. Aber dazu wären ganz neue organisatorische Strukturen der Künstlerbetreuung nötig. Bis dahin muss ich weiter nach der Nadel im Heuhaufen suchen.

Vielleicht kennen Sie einen Stuttgarter Kunstvermittler namens Gentner. Ich habe diesen vor ca. 2Jahren auf einer Vernissage kennen gelernt, habe aber leider keine Kontaktadresse.

Mit freundlichem Gruß

XXX


Gesendet: Samstag, 28. April 2018 um 15:01 Uhr
Von: "Marko Schacher" <makaufzack@web.de>
An: xxx.xxx@t-online.de
Betreff: Aw: Suche


Hallo Herr XXX,

ich habe keineswegs mit Laufkundschaft "zu kämpfen", sondern freue mich über jede/n Kunstinteressierte/n, der/die in die Galerie kommt! Learning by Seeing! Die Sehschule kann und sollte Spaß machen! Und, ja, "Vernetzung" ist gut und wichtig. Aber nicht um jeden Preis. Man sollte ehrlich sein und bleiben, sich nicht verstellen, und anderen und sich nichts vormachen.

Dem von Ihnen vorgeschlagenen "Ehrenkodex", unbekannte Künstler zu fördern, kann ich mich nur anschließen. Allerdings kann diese Förderung nur funktionieren, wenn der Galerist 100prozentig hinter dem Künstler, seinen Gedanken und seiner Aussage steht. Zu weiteren Einzelheiten in meinem Fall empfehle ich Ihnen das Interview, das Nina Joanna Bergold und Ivan Zozulya mit mir gemacht haben; Sie finden es zum Downlaod auf www.galerie-schacher.de/?Presse

Ich fürchte, Sie müssen nicht nach der Nadel im Heuhaufen suchen, sondern Sie sind ein Halm Heu, der jemanden sucht, der wiederum Sie als Nadel sucht. Leider gibt es so viel andere Halme, die auf das gleiche warten, und sich alle als einzigartig ansehen.

Aber trotzdem viel Erfolg - und erneute Grüße

Marko Schacher


P.S. Einen Kunstvermittler namens Genther kenne ich nicht


Dieser E-Mail-Wechsel ist echt! Aus Datenrechtsgründen kann/will ich den Namen aber nicht verraten.




15_Individuelle Mythologien
subjektive Seitenhiebe auf die institutionalisierte Konkurrenz


Eigentlich las sich die Ankündigung im Internet ganz interessant: "Heute Abend im Kunstgebäude: Closing Party. Performance ,Words May Not Be Found’ von Coco Fusco, im Anschluss Party mit DJ Set von Marc Erhardt." Ich habe dann doch ein paar Worte gefunden. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob die junge Dame, die sich in Anwesenheit von etwa einem Dutzend Akademie Solitude-Stipendiaten und drei älteren Damen gegen 20.20 Uhr hinters Rednerpult gestellt hat, eben diese Coco Fusco war und ihre in englisch vorgetragene Vergangenheitsbewältigung und ihre Verweise auf das 100-jährige Jubiläum des Ersten Weltkriegs bereits eben diese "Performance" war oder nur die Ankündigung dazu. Ich bin nämlich nach zehn Minuten einfach gegangen.

Ich hatte bei den Worten "Performance" und "Closing Party" ganz andere Bilder im Kopf. Vielleicht lag das daran, dass ich frisch von der Art Karlsruhe gekommen war, wo "meine" Künstler Jürgen Oschwald und Jenny Winter-Stojanovic mit performativen Mitteln und viel Improvisationstalent vor und neben der Messe-Koje die Grenzen zwischen Skulptur und Theater und zwischen Tradition und Provokation verwischt haben und mittels Einbeziehung von Messe-Fundstücken und Frischhaltefolien eine Art Hommage (vielleicht auch Persiflage) auf die konstruktive Kunst beziehungsweise die Arte Povera dargeboten hatten!?

Elke aus dem Moore, ab April 2018 Leiterin der Akademie Solitude, sah ich zum ersten Mal im Kunstgebäude. Im Galerienhaus Stuttgart – oder bei mir am Messe-Stand in Karlsruhe – war sie noch nie. Hans D. Christ und Iris Dressler, seit 2005 (!) die Leiter des Württembergischen Kunstvereins, auch nicht. Fatima Hellberg, seit 2015 künstlerische Leiterin des Künstlerhauses in der Reuchlinstraße (gar nicht so weit weg von uns), ebenfalls nicht. Dafür sehe ich im Künstlerhaus immer Alice Koegel, seit 2008 wissenschaftliche Kuratorin für zeitgenössische Kunst an der Staatsgalerie. Sie durfte ich (außerhalb eines Vertretungsbesuchs im Auftrag des Regierungspräsidiums) auch noch nie im Galerienhaus begrüßen.

Was schade ist, weil das durch keinerlei Subventionen unterstützte Galerienhaus ebenfalls Kulturarbeit leistet und bei diversen Einzelveranstaltungen oft mehr Bürgerinnen und Bürger erreicht, als die eben benannten Institutionen. Und einen erheblich größeren Beitrag zum Schwellenabbau vor der ach so hehren Kunst leistet, während der Württembergische Kunstverein, die Akademie Schloss Solitude und das Künstlerhaus zumeist individuelle Mythologien schüren, die für kunsthistorisch und politisch weniger vorbelastete Besucherinnen und Besucher oft abschreckend und wenig erquicklich wirken.

Nichts für ungut!

Marko Schacher, 8. März 2018

Die Closing Party zur Ausstellung "Was sind die Wolken / What Are the Clouds" war am 2.3.2018



14_
Galerist: Beruf, Berufung oder Bürde?
der lääängste Galeristen-Jahresrücklick ever (Status Quo: Januar bis Oktober 2017)

Mi 11.1.2017, 19 Uhr: "Kunst mal anders" mit Sarah Dame und Andreas Vogel, WKV Stuttgart (=Diaschau und Vinyl-Häppchen zu Dapper Dan und zur Hip Hop-Szene der 1980er Jahre); Erkenntnisse: Sarah war mal mit nem Hip-Hopper zusammen; Andreas hatte seinerzeit im Höhenfreibad Killesberg einen Ghettoblaster dabei, aha.

Do 12.1.2017, 19 Uhr: Vernissage der Kunstmesse "ARTe" in der Messehalle Sindelfingen (=Stellwand-Überblicksschau der Resultate von Volkshochschul-Kunstkursen und Freiluftmalaktionen in der Bretagne); Erkenntnis: Das Beuys-Zitat wird immer noch als Aufforderung zu bildnerisch-künstlerischer Tätigkeit missverstanden.

Fr 13.1.2017, 22 Uhr: Finissage der Walter-Stöhrer-Preis-Ausstellung bei Parrotta Contemporary Art, Stuttgart mit DJ-Set von Elmar Mellert (=sieben Jugendliche, die beim benachbarten Supermarkt vorgeglüht haben, stehen ratlos in der Ecke rum, der fein gekleidete Galerist unterhält sich mit einem anwesenden Künstler); Erkenntnis: Um "hipp" zu wirken oder gar zu sein, bedarf es mehr, als einen DJ einzuladen, auch das Ambiente sollte stimmen.

Sa 14.1.2017, 11 Uhr: Vernissage arte-sono, "interdisziplinäre Messe für musische und bildende Künste" (Organisatorin Marion Musch), Club Cann, Stuttgart-Cannstatt (=kleiner, überschaubarer Kunsthandwerksmarkt); Erkenntnisse: Eröffnungsreden und Musikdarbietungen sollten mit Rücksicht auf Neuankömmlinge nicht direkt neben der Eingangstür abgehalten werden; an/auf Bauzäunen sollte man keine Kunst präsentieren.

So 15.1.2017, 17 Uhr: Eröffnung "Hans Bäurle – Boya, Boya", Kunstverein Böblingen (=farbenfrohe Zurschaustellung der Fantasie eines 85-jährigen Multikreativen); Erkenntnisse: Das „Kabinett“ des Böblinger Kunstvereins ist zu klein für relevante Ausstellungen; Günther Baumanns Reden sind einfach gut.

Sa 21.1.2017, 12 Uhr: Beginn der "24 Hour Arty People"-Mal- und DJ-Aktion mit Jim Avignon und 12 DJs, Schacher – Raum für Kunst, Galerienhaus Stuttgart (=24-stündiger Non-Stop-Beweis, dass Jim Avignon ein begnadeter und enthusiastischer Maler ist); Erkenntnisse: Heiko Maile ist als DJ fast so gut wie als Camouflage-Mastermind; Kraftwerk und Depeche Mode gehen immer.

So 22.1.2017, 12 Uhr: Ende der "24 Hour Arty People"-Mal- und DJ-Aktion (=Beginn der nur zweistündigen Besichtigungsmöglichkeit des ca 50 Meter breiten Wandgemäldes von Jim Avignon); Erkenntnisse: Michael Gaedt im Pelzmantel und mit Brezeln und Coffee-To-Go-Gastgeschenk-Bechern in der Hand ist ein Bild für Götter; nichts ist für immer.

So 22.1.2017, 16 Uhr: Führung von Eva-Marina Froitzheim durch die Ausstellung "[un]erwartet – die Kunst des Zufalls", Kunstmuseum Stuttgart (=von mir mitorganisierter Gassi-Ausflug des Böblinger Galerievereins); Erkenntnis: 32 Stunden ohne Schlaf sind nichts für einen 46-Jährigen.

Fr 27.1.2017, 19 Uhr: Vernissage der Ausstellung "Friederike Just, Oliver Wetterauer, Birgit Feil – Komplizen", Schacher – Raum für Kunst, Galerienhaus Stuttgart (=humorvolle Miniaturmalereien, surreale Gemälde, Alltagsmenschen-Skulpturen, Video-Loop); Erkenntnis: Das Tollste am Galeristen-Dasein ist es, selbst entscheiden zu können, mit welchem Gast/welcher Gästin man wie viel Zeit verbringt.

Sa 28.1.2017, 19 Uhr: 5-Gänge-Menü im Pop-Up-Restaurant "Die Testküche" mitten in der „Komplizen“-Ausstellung, Schacher – Raum für Kunst, Galerienhaus Stuttgart (=Versuch, Kunst und Kulinarik in sinnvoller Weise zusammen zu führen); Erkenntnisse: Sauerampfersuppe mit Rote Beete schmeckt superlecker; Alexander Hanke schuldet mir immer noch Geld.

So 29.1.2017, 11 Uhr: zusammen mit Desiree Lune, Friederike Just und Christiane Köhne Aufbau der Ausstellung "Humor muss nicht immer lustig sein", Praxis und Klinik, Böblingen (=Versuch, die angespannte Zahnarztatmosphäre durch auf die Umgebung abgestimmte künstlerische Kommentare aufzumuntern); Erkenntnis: Ein Aufstellungsaufbau muss nicht immer lustig sein.

Mi 1.2.2017, 19 Uhr: zusammen mit Thomas Beck Vernissage der Ausstellung "Humor muss nicht immer lustig sein", Praxis und Klinik, Böblingen (=kunstvolle Bespaßung für Zahnärzte, Zahnärztinnen und Zahnarzthelferinnen der Region Böblingen); Erkenntnisse: Vernissagen-Büffets können auch lecker sein; Friederike Just versteht nur bedingt Spaß.

Do 2.2.2017, 19 Uhr: VIP-Preview der Ausstellung "Konkrete Anliegen. Sammlung Teufel", Kunstmuseum Stuttgart (=Vorabbesichtigungsmöglichkeit für Banker, Rechtsanwälte, Kunstsammler, Galeristen und andere aktive Unterstützer des Kunstmuseums); Erkenntnis: Kunstsammlerinnen können auch wie „ganz normale“ Hausfrauen aussehen – und auch so sprechen.

Fr 3.2.2017, 19.30 Uhr: "Nah dran – Kultur im Gespräch mit Prof. Dr. Christiane Lange", Treffpunkt Rotebühlplatz (=Aufwärmmöglichkeit und Weinausschank für Senioren und Obdachlose mit Staatsgalerie-Diaschau und Akustikberieselung); Erkenntnis: Moderatoren, die auf Schmusekurs mit Museumsleiterinnen gehen und in keinsterweise kritisch nachfragen, sind langweilig und verachtenswert.

Di 7.2.2017, 19 Uhr: Vortrag "Der Umbau Raum von Nicolaus Schafhausen", Künstlerhaus Stuttgart (=Deja-Vu-Gewitter vom ehemaligen Leiter des Künstlerhauses für ehemalige Stammbesucher); Erkenntnisse: Die Jahre 1995 bis 1998 und auch Schafhausens "Umbau Raum" waren extrem wichtig für meine Sicht auf die zeitgenössische Kunst und die Erkenntnis, dass Kunst nicht an der Wand hängen oder auf einem Sockel stehen muss.

Mi 8.2.2017, 20 Uhr: Konzert von Joachim Witt, verlegt vom Im Wizemann in den Club Cann, Stuttgart-Cannstatt (=Deja-Vu-Gewitter für 1980er-Jahre-Nostalgiker); Erkenntnisse: Als Musiker sollte man nicht auf jede Publikumsäußerung minutenlang eingehen; ein Hit reicht nicht für einen ganzen Abend.

Mo 13.2./Di 14.2.2017: zusammen mit Desiree Lune Transport und Hängung/Abhängung in der Messe-Koje auf der Art Karlsruhe 2017, Messehalle 4, Karlsruhe (=nettes Wiedersehen mit Tobias Schrade, Tinki Palermo und anderen Stamm-Messe-Nachbarn); Erkenntnis: Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.

Mi 15.2.-So 19.2.2017: Standbetreuung Halle 4, Koje R09, Art Karlsruhe (=alljährlicher Versuch, sein Galerieprogramm in der...ähem...ganzen Welt bekannt zu machen); Erkenntnisse: Jonathan Meese ist schon okay, irgendwie; das Karlsruher Publikum ist noch nicht "reif" für die Kunst von Claudia Thorban, Tesfaye Urgessa, Tilmann Damrau und Birgit Feil.

Fr 17.2.2017, 23 Uhr: zsm. mit Thomas Fuchs, Andreas Pucher, Imke Valentien, Bert Schlichtenmaier, Claudia Thorban und 400 weiteren "Ausstellerabend", Foyer des ZKM, Karlsruhe (=alljährliche Hoffnung, mal einen Galeristen oder eine Galeristin auf der Tanzfläche zu sehen); Erkenntnisse: Die Galeristen-Schar scheint seit Tagen nichts gegessen zu haben; die Veranstalter wollen gar keine tanzenden Galeristen haben.

Sa 18.2.2017, 23 Uhr: zsm. mit Friederike Just, Bernd Bornscheuer und anderen "After Art Party", Badisches Staatstheater Karlsruhe (=alljährliche Hoffnung, mal einen Galeristen oder eine Galeristin auf der Tanzfläche zu sehen) ; Erkenntnisse: Galeristen tanzen nicht, Künstlerinnen und Sammler schon; Organisator Shahrokh Dini ist wie immer unentspannt, aber schon okay, irgendwie.

Mo 20.2.2017, 12 Uhr: siehe Mo 13.2.2017

Sa 25.2.2017, 14 Uhr: angekündigter Besuch eines an den Gemälden von Xianwei Zhu
Interessierten (=Freude über Ankündigung eines Besuchs; schöne Abwechslung zu unangekündigten Besuchern, die davon ausgehen, dass ich jede meiner über 50 Positionen gleichzeitig in der Galerie präsentiere); Erkenntnis: Kunst verkaufen ist schon okay, irgendwie.

So 26.2.2017, 17 Uhr: Eröffnung "Ines Scheppach – gezeichnete Bilder", Kunstverein Böblingen (=surreale Zurschaustellung der Fantasie einer 64-jährigen Poetin); Erkenntnisse again: Das „Kabinett“ des Böblinger Kunstvereins ist zu klein für relevante Ausstellungen; Günther Baumanns Reden sind einfach gut.

Fr 3.3.2017, 19 Uhr: Diskussion "Wie kommt konzeptionelle Kunst in den Markt?" mit Adrienne Braun (Moderation), Dr. Ulrike Groos, Prof. Jean-Baptiste Joly, Erik Sturm und Olivia Franke, Haus der Wirtschaft, Stuttgart (=Begleitprogramm zur Künstlermesse und Versuch, die Zielgruppe zu erweitern); Erkenntnisse: Die potentiell weitere Zielgruppe der Künstlermesse kommt nicht zur Künstlermesse; Adrienne Braun ist eine super Moderatorin.

So 5.3.2017, 20 Uhr: zsm. mit Valerie Hammerbacher, Rainer Koch u.a., leider ohne Arne Braun Auftritt von Studio Braun, Altes Feuerwehrhaus, Stuttgart (=launige Mischung aus Konzert, Lesung, Comedy und Kindergeburtstag); Erkenntnisse: auch als alternde Herren kann man noch viel Spaß auf der Bühne haben und bereiten; Bücher können auch zu schwer – rein gewichtsmäßig – sein.

Mo 6.3.2017, 11.30 Uhr: zsm. mit Bernd Milla, ca 15 Kollegen und Leiterinnen von Kunstinstitutionen, Treffen des "Arbeitskreis Kunst – Zeitgenössische Kunst in Stuttgart und Umgebung", Kunststiftung Baden-Württemberg (=gegenseitiges Updaten, Kritik an der Qualität der Art Karlsruhe und Bedauern der ungenügenden Unterstützung durch die Stadt Stuttgart); Erkenntnisse: kann mich nicht erinnern; war ich überhaupt dort?

Do 9.3.2017, 19 Uhr: Künstlergespräch zwischen Clemens Ottnad und Monika Schaber bei meinem Galerienhaus-Kollegen Horst Merkle, Stuttgart (=Motivation, sich die Ausstellung "tagschatten" noch einmal mit anderen Augen und zusätzlichen Hintergrundsinformationen anzusehen); Erkenntnisse: Manche Informationen können auch desillusionieren.

Fr 10.3.2017, 20 Uhr: Geburtstagsfeier bei einem meiner Lieblingskunden, Stuttgart (=schöne Möglichkeit, mal zu sehen, was dort noch so für Kunst hängt und steht); Erkenntnisse: Eine wirkliche Grenze zwischen beruflich und privat gibt es bei mir nicht; bei anderen der Anwesenden auch nicht.

Sa 11.3.2017, 15 Uhr: Finissage/Meet the Artists mit Friederike Just und Oliver Wetterauer, Schacher – Raum für Kunst, Galerienhaus Stuttgart (=plauschiges Come Together und Möglichkeit, sich den Abbau der aktuellen Ausstellung zu versüßen); Erkenntnis: Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung.

Sa 11.3.2017, 20 Uhr: zsm. mit Friederike Just "Vitamin Ed. No 11", mit gemalten Künstler-Portraits von Marcus Neufanger und Musik von Family 5, Vitamin Reutlingen (=Afterhour zur eigenen Galerien-Finissage); Erkenntnisse: Eckart Jahn ist nett; Bowies "Heroes" ist einer der besten Songs ever, auch und  vor allem als Coverversion von Peter Hein.

So 12.3.2017, 13 Uhr: Vernissage "Dieter Nuhr – Arbeiten aus anderen Welten", Galerie Matthias Küper, Stuttgart (=spektakulär unspektakuläre Häuserwände aus aller Welt mitsamt präsentierten handschriftlichen Erläuterungen); Erkenntnisse: "Eigentlich bin ich gar keine Rampensau, meine stillen Fotografien kommen meinem wirklichen Ich viel näher." (Dieter Nuhr); nur als Fotograf ist Nuhr ganz gut.

Mo 13.3./Di 14.3.2017: Aufbau der Ausstellung "Justyna Koeke, Roman Mares – Frauen und andere Tiere", Schacher – Raum für Kunst, Galerienhaus Stuttgart (= neue Ausstellung, neues Glück?!): Erkenntnisse: Was lange währt, kann auch gut werden; ein guter Werber kann auch ein guter Künstler sein.

Do 16.3.2017, 19 Uhr: VIP-Preview der Ausstellung "Kubus. Sparda-Kunstpreis“, Kunstmuseum Stuttgart" (=Möglichkeit, die drei Künstlerinnen Leni Hoffmann, Myriam Holme und Corinne Wasmuht halb-privat kennenzulernen); Erkenntnis: Auch bereits etablierte Künstlerinnen freuen sich über echtes, ernst gemeintes Lob.

Fr 17.3.2017, 19 Uhr: Vernissage "Justyna Koeke, Roman Mares – Frauen und andere Tiere", Schacher – Raum für Kunst, Galerienhaus Stuttgart (=Massenansturm von etwa 300 Kunstfans): Erkenntnisse: Auch in einer künstlerischen Raumintervention sind die Grenzen von Kunst und Nicht-Kunst ...hicks....buchstäblich fließend; Wodka, Sprotten und Schmalzbrote passen super zusammen.

So 19.3.2017, 11 Uhr: Vernissage "Benjamin Appel – den Keller mit Beton füllen", Städtische Galerie Sindelfingen (=Antrittsausstellung der neuen Galerieleiterin Madeleine Frey); Erkenntnisse: Auch unscheinbar wirkende, Karo-Hemden tragende Künstler können einen Hang zur großen Geste in sich tragen und ihn adäquat ausleben – wenn man/frau sie lässt.

Mo 20.3.2017, 19.30 Uhr: Jahreshauptversammlung des Galerievereins Böblingen, Zehntscheuer Böblingen (=Jahresrückblick und Ausblick der das Galerieprogramm der Städtischen Galerie unterstützenden Vereinigung, in der ich ehrenamtlich im Vorstand agiere); Erkenntnisse: Junge Leute haben keinen Bock, Mitglied in einem Verein zu werden; was schade ist.

Di 21.3.2017, 19.30 Uhr: Reihe "Über Kunst" der Stuttgarter Nachrichten mit Klaus Gerrit Friese, Parrotta Contemporary Art, Stuttgart (=Wiedersehen mit einem abtrünnigen Kollegen, der in Berlin scheinbar sein Glück gefunden hat); Erkenntnisse: Der Kampf um die Anerkennung der Galeristentätigkeit als Kulturarbeit ist noch lange nicht erfolgreich; kaltes Bier schmeckt viel besser als warmes.

Mi 22.3.2017, 19 Uhr: Kuratoren-Führung durch die Ausstellung "Humor muss nicht immer lustig sein", Praxis und Klinik, Böblingen (=Versuch, die Hemmschwellen zwischen Böblinger Bürgern und Künstlern bzw. dem Kurator, mir, abzubauen); Erkenntnis: Christiane Köhne und Friederike Just sind äußerst publikumsnah (Hut ab!)

Do 23.3.2017, 19 Uhr: Vernissage "Vanessa Henn – ein stück dazwischen", Hospitalhof Stuttgart (=allgemeines Wiedersehen mit der einst in Stuttgart an der Kunstakademie studierenden, längst in Berlin lebenden Künstlerin); Erkenntnisse: Wirklich raumbezogene, extra für Räume konzipierte und hergestellte "Skulpturen" sind ein echter Gewinn.

Fr 24.3.2017, 19 Uhr: Vernissage "Get the Kodak" von und mit Peter Franck und Julia Wenz, Kunstbezirk Stuttgart (=begehbare Rauminstallation mit Nostalgie-Flair); Erkenntnisse: Die Tendenz der Kunstbezirk-Verantwortlichen, die Besucher um 22 Uhr draußen zu haben, hat spürbar nachgelassen; kaum jemand bemerkt draußen das schlau veränderte Straßenschild (gibt’s immer noch!).

Sa 25.3.2017, 19-2 Uhr: Lange Nacht der Museen, Galerienhaus Stuttgart und ca. 80 weitere Institutionen (=weiterer Hemmschwellenabbau auf dem Weg zur unvoreingenommenen Kunstkonfrontation); Erkenntnisse: Sex sellt nicht; ich könnte kein Friseur sein.

So 26.3.2017, 11 Uhr: Vernissage "Claudia Thorban – Garten", Hohenloher Kunstverein, Langenburg (=Fortsetzung der eigenen Vernissagenredner-Karriere im reizvollen Ambiente); Erkenntnisse: Gute Eröffnungsreden gehen immer; Langenburg is the home of the Wibele (Hohenloher Russisch Brot-Variante).

Mi 29.3.2017, 18 Uhr: Vernissage "Jürgen Palmer - Begleiterscheinungen", Foyer 1. OG des Funkstudios Berg (=Präsentation großformatiger Zeichnungen in Kohle und Ölkreide, entstanden während der Proben des SWR Vokalensemble zum Jubiläumskonzert); Erkenntnisse: "Neue Musik" kann auch erfreuliche Resultate haben.

Mo 3.4.2017, 21.30 Uhr: Live-Kunstaktion "Pizzicato" von Leni Hoffmann im Pressehaus, S-Möhringen (=Kooperation mit dem Kunstmuseum, Gespräch ohne Künstlerin, Suppe, Häppchen, Zwangshausführung, Leni Hoffmann kippt um Mitternacht live Farben in die rotierenden Druckmaschinen); Erkenntnisse: klang spannender, als es letztendlich war; die ersten Versuche wurden eingestampft, weil die Farbstreifen auf den Todesanzeigen-Seiten landeten.

Di 4.4.2017, 17 Uhr: Festakt und Amtseinführung von Prof. Dr. Barbara Bader als neue Rektorin, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (=warme Worte von Petra Olschowski, Martin Böhnke, Lena Hönig, Oliver A. Krimmel, Dr. Volker Gerstenmaier und der gerührten neuen Rektorin herself); Erkenntnisse: Ich bin der einzige anwesende Galerist; absurd, es gibt an der Stuttgarter Kunstaka zwei "Betriebskapellen".

Di 4.4.2017, 19.30 Uhr: Vernissage "Exodus – Ausstellung der Staatsexamina im Künstlerischen Lehramt" (=Mischmasch von 12 angehenden Kunstlehrerinnen und -lehrern, inkl. Performance); Erkenntnisse: noch so jung und schon Kunstlehrer?; emotionalster Moment: Neurektorin Bader beim einsamen Aufräumen des Buffets.

Mi 5.4.2017, 14 Uhr: zsm. mit zehn weiteren Stuttgarter Kreativen Fototermin mit Daniela Wolf im Rotlichtbezirk für Justyna Koekes Projekt "Galateas" (=Inszenierung eines Gruppenbilds für Koekes Spendenaktion für den Ausstieg aus der Prostitution); Erkenntnisse: Ich bin frei, aber kein Freier; fotogen ist anders.

Mi 5.4.2017, 21 Uhr: Aufführung der Tanz- und Kunstinstallation "Morinonaka" durch das Freiburger Shibui Kollektiv im Rahmen des Tanz- und Theaterfesivals "6 Tage frei", WKV Stuttgart (=interessanter Versuch, die Grenzen zwischen Aufführung und Skulptur und zwischen Improvisation und Einstudiertem zu durchbrechen); Erkenntnisse: Moderierte Gespräche nach Aufführungen können auch interessant sein; Jürgen Oschwald ist als Performer einsame klasse!

Do 6.4.2017, 16 Uhr: Signierstunde von Leni Hoffmann im Foyer des Kunstmuseums Stuttgart (=Hoffmann signiert "ihre" Stuttgarter Zeitungen vom 4. April – siehe oben – und alles, was man ihr hin hebt); Erkenntnisse: das Publikums-Interesse hält sich in eng gesteckten Grenzen

Do 6.4.2017, 19 Uhr: Ausstellung "SOLDATENKOPFIMWASSERSMALLTALK24HOURS" der Klasse Güdemann, Projektraum Akku, Gerberstraße, Stuttgart (=große Künstler, kleiner Raum); Erkenntnis: Ivan Zozulya ist ein guter Maler ("Schacher"-Ausstellung ab 29.9.2018)

Fr 7.4.2017, 19 Uhr: Buchpräsentation "Michael Luz – Bock auf Pommes", Galerie von Braunbehrens, Stuttgart (=Werbeveranstaltung des Gatzanis-Verlags in künstlerisch wertvollem Ambiente); Erkenntnisse: Statt 24.95 € kostet das Buch an diesem Abend – Achtung, festhalten! – 24,90 €; ich bin prominent genug, um von Uwe Bogen für seine Klatschseite in den Stuttgarter Nachrichten bemerkt zu werden.

Sa 8.4.2017, 18 Uhr: Vernissage "Composition im Quadrat", Galerie Kerstan, Galerienhaus Stuttgart (=erste eigene "Kerstan"-Eröffnung im Galerienhaus ohne die Kollegen Merkle und Schacher); Erkenntnis: Jeder bekommt das, was er verdient.

So 9.4.2017, 22 Uhr bis Mo 10.4., 8 Uhr: eigenständiger bzw. (in Venedig) eigenhändiger Transport der Gemälde "Free Fall 2" und "Rolling again and again and..." von Tesfaye Urgessa zur Ausstellung "Personal Structures – Open Borders" im Palazzo Bembo, Venedig (=Mischung aus Trotzreaktion und Abenteuersuche); Erkenntnisse: Getragene Gemälde werden nach und nach immer schwerer; Venedig bei Sonnenaufgang entschädigt für vieles.

Do 20.4.2017, 15 Uhr: Besuch in der Galerie vom Künstler Benjamin Appelt aus Hamburg (=einer der undankbarsten Aufgaben des Galeristen: konstruktive, ehrliche Kritik vermeintlich künstlerischer Arbeiten); Erkenntnis: Benjamin Appelt und Benjamin Appel sind zwei verschiedene Künstler.

So 23.4.2017, 11 Uhr: Matinee und Buchpräsentation "erundsie" von Roman Mares und Anne Schubert im "Klub Krakow" innerhalb der Ausstellung "Frauen und andere Tiere", Schacher – Raum für Kunst", Galerienhaus Stuttgart (=frühmorgendliches Gruppenbesäufnis inkl. Grinse-Foto für die Presse); Erkenntnis: Ein Wodka am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.

Mi 26.4.2017, 11 Uhr: Abholung einiger Gemälde in der Galerie, Transport, anschließend zsm. mit dem Künstler Hängung der Ausstellung "Tesfaye Urgessa – Malerei und Zeichnungen", Vorbereitung der Eröffnungsrede, Galerie Altes Rathaus Musberg, Leinfelden-Echterdingen (=typischer Nebenjob eines Galeristen, in diesem Fall unbezahlt); Erkenntnisse: Routine hat auch Vorteile.

Mi 26.4.2017, 19.30 Uhr: Reihe "Über Kunst" der Stuttgarter Nachrichten mit Barbara Bader (siehe auch 4.4.), Parrotta Contemporary Art, S-West (=keimfreies Interview von Nicolai B. Forstbauer mit der neuen Kunstaka-Direktorin); Erkenntnisse: Das "Über Kunst"-Publikum ist jedes Mal nahezu identisch; das kalte Bier wichtiger als warme Worte.

Do 27.4.2017, 19.30 Uhr, zsm. mit Corinna Steimel und acht Mitstreiterinnen und Mitstreitern Vorstandssitzung des Böblinger Galerievereins, Städtische Galerie Böblingen, (=Gehirnstürme über das Begleitprogramm zum 30.jährigen Bestehen des Vereins und der Städtischen Galerie); Erkenntnisse: Böblingen preist sich selbst als "Raum für Taten und Talente", die Arbeit machen aber andere.

Fr 28.4.2017, 18 Uhr: zsm. mit Justyna Koeke Sonderführung für Olivia M. Franke (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg) und Tobias Wall (Karin-Abt-Straubinger-Stiftung) innerhalb der Ausstellung "Frauen und andere Tiere" (=privat-berufliches Come-Together); Erkenntnis: Wodka macht aus allen Menschen Russen.

Sa 29.4.2017, 17 Uhr: Eröffnungsrede zur Schau "Tesfaye Urgessa – Malerei und Zeichnungen", Galerie Altes Rathaus Musberg, Leinfelden-Echterdingen (=Initiationsritus zum genaueren Betrachten der Exponate); Erkenntnis: seltsam, wenn eigene Galerie-Kunden woanders kaufen.

Di 2.5.2017, 11 Uhr: Treff mit muche Tamschick im GARP Bildungszentrum, Plochingen (=Vorabbesichtigung ihrer Ausstellung plus Face-to-Face-Gespräch zur Vorbereitung meiner Eröffnungsrede); Erkenntnisse: das Bildungszentrum ist ganz schön weit weg vom Plochinger Bahnhof und die Busverbindung suboptimal.

Do 4.5.2017, 22 Uhr: Besuch des Programms "Best animated musicvideos" beim Internationalen Trickfilmfestival Stuttgart (=jährlicher Pflichtbesuch); Erkenntnisse: Die Außenwirkung des Festivals ist weitaus größer als die Innenwirkung; unter den zwei bis drei Dutzend Zuschauern sind fast nur eingeladene und keinen Eintritt zahlende Professionals; die meisten bleiben nicht bis zum späten Schluss.

Fr 5.5.2017, 19 Uhr: Eröffnungsrede zur Ausstellung "muche – Zeichnung, Plastik, Malerei", GARP Bildungszentrum, Plochingen (=mal wieder eine Eröffnungsrede, diesmal vor mir zumeist unbekanntem Publikum); Erkenntnisse: Man darf und kann als Eröffnungsredner auch schon nach einer Stunde gehen, wenn sowieso keine/r mit einem reden will.

Fr 5.5.2017, 21 Uhr: Besuch des Programms "In Persona: Bruno Bozzetto" beim Internationalen Trickfilmfestival Stuttgart (=Vorführung des 85-minütigen Trickfilms „Allegro Non Troppo“ von 1975); Erkenntnis: Der Signor Rossi-Erfinder ist ein netter, älterer Herr, der gerne Signor Rossi-Fanartikel signiert.

Di 9.5.2017, 16.50 Uhr (Abflug Stuttgart) bis Di 16.5., 16.30 (Ankunft Stuttgart): Besuch der Preview-Days der Kunstbiennale in Venedig (=vermeintlich exklusive Vorabbesichtigungsmöglichkeit der vermeintlich wichtigsten Kunstschau); Erkenntnisse: siehe "7_Performances zwischen Punk und Poesie. Die Kunstbiennale in Venedig verwischt die Grenzen" (hier nach unten scrollen)

Di 16.5.2017, 17 Uhr: Aufbau der Ausstellung "Jenny Brosinski, Ute Litzkow  – Floating Memories", Schacher – Raum für Kunst, S-West (=adäquater malerischer Ausgleich zum Multimedia-Performance-Gedöns in Venedig); Erkenntnis: Stuttgart ist nicht Venedig. Gott sei Dank.

Fr 19.5.2017, 19 Uhr: Vernissage der Ausstellung "Jenny Brosinski, Ute Litzkow  – Floating Memories", Schacher – Raum für Kunst, S-West (=Come Together der Schacher-/Brosinski-/Litzkow-Fans); Erkenntnis: Neben Michael Sturm bin ich laut Jean-Baptiste Joly der einzige Stuttgarter Galerist, der je eine Akademie Solitude-Stipendiatin in sein Galerieprogramm aufnahm.

So 21.5.2017, 14-18 Uhr: Griffelkunst-Schau bzw. Werkabholung beim Kollegen Merkle, Galerienhaus, S-West (=Pflichttermin für die Mitglieder des Griffelkunst e.V.); Erkenntnis: Wer sich für preisgünstige Arbeiten auf Papier interessiert, interessiert sich nicht zwangsläufig für zeitgenössische Malerei. Schade!

Di 23.5. 2017, 22 Uhr: Releaseparty von Levin Goes Lightly im White Noise, S-Mitte (=Lokalmatadoren-Eletropop vom Allerfeinsten); Erkenntnisse: Auch mit minimalistischen Mitteln ist eine effektive und emotionale Lightshow möglich! Bowie lebt!

Fr 26.5.2017, 10 Uhr: Abtransport fast aller Gemälde von Axel Teichmann durch Axel Teichmann, Schacher – Raum für Kunst, S-West (=Lagerräumung); Erkenntnisse: Solche eine Kunst-Rückführung (vor allem das vorherige Zusammensuchen und Verpacken) ist immer eine zeitaufwendige und vor allem eine traurige Angelegenheit. Aus den Augen, aus dem Sinn?

Mo 29.5.2017, Reihe "Über Kunst" der Stuttgarter Nachrichten mit dem Künstler Thomas Locher (siehe auch 21.3. und 26.4.), Parrotta Contemporary Art, S-West (=keimfreies Interview von Nicolai B. Forstbauer mit dem neuen Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.); Erkenntnisse: keine neuen.

Mi 31.5.2017, 19 Uhr: Vernissage der Ausstellung "Burn Out" von Michael Haußer, Fliedner Klink, S-Mitte (=Best Of-Schau von Haußers dick auf Leinwand gespachtelten Figuren und Fortbewegungsmitteln); Erkenntnis: Mut und Nase/Augen hoch helfen in Krisensituationen.

Fr 2.6.2017, 11.30-14 Uhr: Galerie-Besuch von Peter Franck, Tillmann Damrau und Oliver Wetterauer (=privat-berufliche Gesprächsrunde von/mit Artoholics); Erkenntnis: Künstler sind die besseren Liebhaber.

Di 13.6.2017, 19 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Persona – Good Will. Best Intentions. Terrible Misunderstanding" (=warme Einführungsworte zu einer Klasse Brenner-Schau von Jörg Mandernach und Christoph Tannert plus 1A-Auftritt der Akademischen Betriebskapelle mit Gastsängern); Erkenntnisse: "Optimistisches Streben und ständiges Versuchen motivieren den Umgang von Individuen" (Ausst.info); manchmal ist schon der Ausstellungstitel das Beste an einer Ausstellung.

So 18.6.2017, 11 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "JAK – Soul Blindness" (=Kunstfigur-Konzept-Kunst meet Street-Art-Attitüde); Erkenntnis: Auch als Galerist bin ich nicht VIP genug, um mein Wunsch-JAK-Multiple erwerben zu können (statt eines "M"- oder "S"-Covers, hab ich – und das auch nur dank guter Beziehungen - ein passepartouriertes "O" bekommen. Immerhin!

Mo 19.6.2017, 10 Uhr: 25 Aufbau der 25 Positionen umfassenden, von mir kuratierten Gruppenschau "25 - 25 - 25" in der PR-Agentur Sympra GmbH (GPRA), Stuttgart (=viel Geschleppe); Erkenntnis: In einer über 100 Jahre alten Jugendstil-Villa ausstellen zu können, ist toll!

Do 22.6.2017, 19 Uhr: Eröffnung der Gruppenschau "25 - 25 - 25" in der PR-Agentur Sympra GmbH (GPRA), Stuttgart (=viel Gerede); Erkenntnis: "Desiree Lune, übernehmen Sie" (die Eröffnungsrede) war eine gute Idee, da kann man als Kurator endlich mal bei der Vernissage entspannen.

Fr 23.6.2017, 10 Uhr: Jury-Sitzung für das Nagolder Ausstellungsprojekt "Kunst auf Abwegen" zsm. mit Eva Ott, Galerieverein Leonberg, und Silva Brand, Kunststiftung Baden-Württemberg, Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (=einer der undankbarsten Aufgaben überhaupt: Juror); Erkenntnisse: Kaum jemand gibt sich heute wirklich Mühe, Jury-Mitglieder zu überraschen; zwischen dicken, unnötigen Katalogen und regelrecht hingerotzen Notizzetteln scheint es keinen angestrebten Mittelweg zu geben.

Fr 23.6.2017, 19 Uhr: Versteigerung von Kunstwerken und Performance-Requisiten von Justyna Koeke bei Frau Blum, Stuttgart (=Erotik meets guter Zweck); Erkenntnisse: Als Galerist ist es ein hartes Los, Werke der eigenen Künstlerin, die bei mir (zurecht!) Hunderte von Euros kosten würden, für einen Appel und ein Ei den Besitzer wechseln zu sehen; Dildos gehen immer.

24.6.2017, 15 Uhr: Vergabe "[Kun:st] Preis 2017" beim Galerienhaus-Kollegen Kerstan (=“"0 Künstler mit 50 Werken aus 10 Länder", ohne "n", so die Homepage); Erkenntnis: 20 Besucher.

Sa 24.6.2017, 19.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Felix Stumpf  – There is a crack in everything", galerie ak2, Stuttgart (=1 Künstler, verschiedene Exponate, aus Berlin); Erkenntnisse: 100 Besucher; zwischenzeitlich wusste ich mal, was "Cyanotypien" sind, inzwischen habe ich diese Erkenntnis aber verloren.

Di 27.6.2017, 19 Uhr: Signierstunde beim Galerienhaus-Kollegen Merkle (=Martin Frei, Peter Puck, Hannes Steinert und Timo Wuerz signieren und bekritzeln alles, was nicht bei "3" auf den Bäumen ist; Erkenntnis: Peter Puck kann auch Galerie!

Fr 30.6.2017, 19 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Marlis G Schill – 100%Power Child" beim Galerienhaus-Kollegen Kerstan (Zweieinhalbtages-Ausstellung für einen guten Zweck); Erkenntnis: gut gedacht.

Mo 3.7.2017, 17 - 0 Uhr: zsm. mit Corinna Steimel und Jim Avignon Hängung der Ausstellung "Neo:interpretiert. Jim Avignon im Dialog mit der Kunstsammlung der Stadt Böblingen", Städtische Galerie Böblingen (=Freundschaftsdienst); Erkenntnis: Es hat sich doch gelohnt, meinen alten Lichtfluter und die alten Rahmen aufzuheben, jetzt sind sie Kunst!

Fr 7.7.2017, 20 Uhr: Sommerfest, Gedok, Stuttgart (=gemütliches Cometogether der Kunstszene mit Würsten vom Grill und Musik von der Terrasse; Erkenntnis: Die Rüdiger Scheiffele Unlimited Group ist the next big thing, wetten?!

Sa 8.7.2017, 19.30 Uhr: interaktive Performance von Christian Falsnaes im Rahmen der Reihe "On the Move" der  Kunsthalle Mannheim, Jesuitenkirche/Kunstverein Neuhausen; Erkenntnis: Wahnsinn, wozu eine geschickt angeschubste Gruppendynamik einen alles bringen kann! Ich oben ohne – das ist kein schönes Bild, aber Kunst.

So 9.7.2017, 11.15 Uhr: Vernissage der Ausstellung "Hartmut Landauer – spirit", Städtische Galerie Ostfildern (=Skulpturen, Intarsiencollagen, Fotografien, Lieblingsobjekte); Erkenntnis: beste, weil den Dialog mit dem Raum perfekt beherrschende Ausstellung vor Ort ever!

So 9.7.2017, 15 Uhr: Vernissage der Ausstellung "Neo:interpretiert. Jim Avignon im Dialog mit der Kunstsammlung der Stadt Böblingen" inkl. Mini-Konzert, Städtische Galerie Böblingen (=Jim Avignon als Reinkarnation von Willi Baumeister); Erkenntnises: Männer sind multitaskingfähig, Böblingen kann hipp sein, ansonsten siehe auch "9_Willkommen im Monturi-Wonderland!" (hier 3 Meter nach unten skrollen).

So 9.7.2017, 18 Uhr: Geheimkonzert von Jim Avignon als "neoangin" in meinem Wohnzimmer zsm. mit Corinna Steimel, Marcus Gwiasda, Josh von Staudach, Karl Amann, Franziska Heyder, Stefanie und Martin Naumann, Gottfried Ringwald u.a. (=die Kunst als Raumspray); Erkenntnisse: Ich habe gutmütige Nachbarn, nur die private Zugabe um 23.30 Uhr war vielleicht keine sooo gute Idee.

Mo 10.7.2017, 12 Uhr: Besuch der Kollegen Tobias Schrade und Tinki Palermo, Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (=Abholung von fünf Gemälden von Tesfaye Urgessa für deren "Nackt"-Ausstellung in Ulm); Erkenntnis: Geben ist schwieriger als nehmen.

Di 11.7.2017, 19.30 Uhr: Mitgliederversammlung der Initiative Stuttgarter Galerien
zeitgenössischer Kunst e.V ., Galerie Thomas Fuchs, Stuttgart (=ungemütliches Cometogether der letzten verbliebenen, halbwegs motivierten Galeristen); Erkenntnis: Gute Ideen würden noch besser werden, wenn wir sie auch umsetzen würden.

Mi 12.7.2017, 11 Uhr: zsm. mit Peter Franck Aufbau der Ausstellung "Galerien Haus Open II – Am Wasser" mit Fotografien von David Franck, Peter Franck, frank+steff, Marcus Gwiasda, Wolf Helzle, Timo Kabel, Kerstin Kuntze, Manuel Martini, Yves Noir, Arno Plötz, Oliver Rieger, Eva Schmeckenbecher, Niels Schubert, Josh von Staudach und wenz 'n warrass, Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (="puuuuh!"); Erkenntnis: Gut gehängt ist halb gewonnen.

Do 13.7.2017, 18:30 Uhr: VIP-Preview der Ausstellung "Über den Umgang mit Menschen, wenn Zuneigung im Spiel ist. Sammlung Klein", Kunstmuseum Stuttgart (=Vorabbesichtigungsmöglichkeit für die "Freunde des Kunstmuseums"); Erkenntnis: Mein Spruch "Herr Klein, ich erwarte Großes", kam bei Peter W. Klein nur mittelmäßig an. Die Ausstellung selbst? Okay.

Fr 14.7. 2017, 19 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Galerien Haus Open II – Am Wasser" Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (=illustres Cometogether der Stuttgarter Fotografenszene); Erkenntnis: Fotos können provozieren, aufregen, abkühlen, teils alles zusammen bzw. kurz hintereinander.

Sa 15.7.2017, 18 Uhr: Besuch von Stoff Büttner im Rahmen der "Westallee" mit einer Gruppe Kunstinteressierter (=Sonderöffnung der Fotoschau "Galerien Haus Open II – Am Wasser"); Erkenntnisse: Ein Bier in der Kehle ist manchmal wichtiger als Wasser an der Wand.

So 16.7.2017, 13 - 18 Uhr: "Rundgang", Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (=900 Studierende zeigen, was sie drauf haben); Erkenntnisse: die meisten haben leider wenig drauf, aber Ivan Zozulya hat das Niveau seiner letzten Präsentationen behalten (Belohnung: Ausstellung ab 14.9.2018 bei mir in der Galerie).

Di 18.7.2017, 18 Uhr: VIP-Führung von mir durch die Gruppenschau "25 - 25 - 25", PR-Agentur Sympra, Stuttgart, zsm. mit Jürgen Palmer und Johanna Jakowlev (="Wer will noch mal, wer hat noch nicht"?); Erkenntnis: 25 + 25 + 25 = 75. 

Mi 19.7.2017, 19 Uhr: von Florian Steininger moderiertes Gespräch mit Sean Scully und Peter W. Klein, Kunstmuseum Stuttgart (=auf Facebook live übertragenes Rahmenprogramm zur "Sammlung Klein"-Ausstellung); Erkenntnisse: Sean Scully kann reden, ihn und Peter W. Klein scheint (inzwischen) tatsächlich eine Freundschaft zu verbinden.

Do 20.7.2017, 18 Uhr: "Kunscht, die Dritte", 1.OG, Alte Kanzlei, Stuttgart (=gute Häppchen aus der Küche, schlechte Kunst aus den Ateliers von Tim Bengel, Herr Schiller, Vince Voltage, Viviana Traiano, Maximilian Kamps, Freya von Bülow und Wolfram Georg); Erkenntnisse: Den angeblichen Hype um Tim Bengel kann ich nicht nachvollziehen (das nächste Mal, wenn ich Timo Hildebrand zu Hause besuche, schaue ich nach, ob Bengels Schloss-Versaille-Bild tatsächlich beim Ex-VfB-Torhüter im Wohnzimmer hängt).

Sa 22.7.2017, 17 Uhr: Besuch der Gruppenschau "Die Kunstakademie stellt aus", Kunstbezirk, Siegle-Haus, Stuttgart (=anscheinend Ausstellungswürdiges von 19 Diplomanden der Studiengänge "Bildende Kunst", "Kommunikationsdesign" und "Textildesign"); Erkenntnis: Jan Jansen hat einen exzellenten Blick für das Schöne im Hässlichen (Belohnung: Ausstellung ab 9.11.2018 bei mir in der Galerie).

Mo 24.7.2017, 11:30 Uhr: Treffen des "Arbeitskreis Kunst – Zeitgenössische Kunst in Stuttgart und Umgebung", diesmal im Hospitalhof Stuttgart (=routiniertes Cometogether diverser Kunstinstitutionsbetreibender); Erkenntnisse: Stuttgarts Galeristen sterben aus.

Mi 26.7.2017: Eröffnung der von Winfried Stürzl kuratierten Ausstellung "Transition #8: Martin Bruno Schmid", Vitrinen in der Klettpassage am Hauptbahnhof Stuttgart (=“Vitrinen, (reisefertig) gepackt, Stahlrahmen, Plexiglas, Gewindestangen, Halterungen, Leuchtmittel, Kabel, Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben, 2017“); Erkenntnisse: Die Grenzen zwischen Kunst, Gebrauchsgegenstand und Architektur lösen sich auf. Schade, dass das 2007 von der Mietervereinigung Klettpassage zusammen mit der SSB AG initiierte Projekt damit zu Ende geht (hoffentlich wird das noch was mit der Publikation, Winfried)

Fr 28.7.2017, 18 Uhr: VIP-Führung von mir durch die Gruppenschau "25 - 25 - 25", PR-Agentur Sympra, Stuttgart, zsm. mit Desiree Lune und Claudia Thorban (="jetzt aber!"); Erkenntnis: Kola + Kunst = Konst.

Do 3.8./Fr.4.8./Sa 5.8.2017, jeweils ab 19 Uhr: Böblinger Songtage, Alte TÜV-Halle, Böblingen (=Vodoo Jürgens, Tex, Enno Bunger, Bernd Begemann u.a. in familiärer Atmosphäre); Erkenntnisse: BB und BB passen super zusammen; weil seine Zwischenansagen zwischen den Songs länger und teils auch besser sind als die Songs selbst, könnte Bernd Bergemann auch gut bei den "Ärzten" einsteigen.

Mo 7.8.2017, 14 Uhr: VIP-Sonder-Führung für Stefan Kaufmann durch die Gruppenschau "25 - 25 - 25", PR-Agentur Sympra, Stuttgart (=schöne Gelegenheit, einen VIP mal "privat" kennen zu lernen); Erkenntnisse: Es gibt tatsächlich Politiker, die sich für Kunst interessieren und sich auch in der Kunstgeschichte ein wenig auskennnen (der angedachte Besuch bei mir in der Galerie steht allerdings noch aus)

Di 8.8.2017, 18 Uhr: Galerie-Besuch von Monika Renninger und ca 20 Kunstinteressierten innerhalb der Hospitalhof-Reihe "Lust auf Kunst? Galeriebesuche an Sommerabenden", Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (=das Evangelische Bildungszentrum geht Gassi); Erkenntnisse: Wer als Galerist aus dem Nähkästchen plaudert (siehe auch hier), macht sich keine Freunde. Egal!

Di 8.8.2017, 19.30 Uhr: Multimedia-Auftritt der Band "Revision" innerhalb der Reihe "Tunesday", Planetarium Stuttgart (=Allover-Laser-Sternen-Show mit elektronischer Live-Musik); Erkenntnisse: zahlreiche Deja-Vus an 30 Jahre zurückliegende Planetariums-Besuche.

Do 10.8.2017, 18 Uhr: After Work-Führung durch mich und durch die Ausstellung "Neo:interpretiert. Jim Avignon im Dialog mit der Kunstsammlung der Stadt Böblingen", Städtische Galerie Böblingen (=Freundschaftsdienst, Danke, Bitte, gerne); Erkenntnisse: Die meisten, die zu einer "After Work"-Führung kommen, sind schon lange in Pension und arbeiten schon lange nicht mehr.

So 13.8.2017, 15-18 Uhr: Finissage, Ende und Abbau der Ausstellung "Galerien Haus Open II – Am Wasser", Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (=letzter Hoffungsschimmer auf Verkaufsabschlüsse); Erkenntnisse: gerne wieder, liebe Fotografen-Gemeinde!

So 13.8.2017, 18-20 Uhr: Dreharbeiten für Jürgen Palmers Film "Raum mit Schatten" (=Abschluss der "Schacher"-Trilogie mit einer inszenierten Vernissage im kunstleeren Raum); Erkenntnisse: lockerer Smalltalk unter Beobachtung einer Kamera ist gar nicht so einfach (noch bis zum 21.7.2018 läuft der fertige Film als Exponat der aktuellen Ausstellung "Jürgen Palmer – Spiegelbilder" in der Galerie).

Do 17.8.2017, 18 Uhr: siehe Do 10.8.2017

Fr 18.8.2017, 19 Uhr: Vortrag "Versions of Cover" von Andreas Vogel, Städtische Galerie Böblingen (=Rahmenprogramm zur Ausstellung "Neo:interpretiert. Jim Avignon im Dialog mit der Kunstsammlung der Stadt Böblingen"); Erkenntnisse: der angekündigte "unterhaltsame, auditiv-visuelle Vortrag zu dem faszinierenden Phänomen der musikalischen Wiederauflage, also dem Cover" war tatsächlich unterhaltsam, lockte aber sehr wenige Böblinger aus dem klimatisierten Heim, und leider gar keine Jugendlichen.

Mi 23.8./Do 24.8.2017: Besuch der documenta 14, diverse Orte, Kassel (=Überprüfung ob die von Adam Szymczyk kuratierte Weltausstellung tatsächlich so schlecht ist, wie alle sagen und schreiben); Erkenntnisse: Nein, war/ist sie nicht! Und: "Life is my favourite Art" = Text einer 30 Jahre alten Mail-Art-Collage von Ruth Wolf-Rehfeldt (vgl. auch 8_Die Poesie des Protests. Die dokumenta14 war/ist besser als ihr Ruf – hier 4 Meter nach unten scrollen).

Fr 25.8./Sa 26.8./So 27.8.2017: Besuch der "Skulptur.Projekte", diverse Orte Münster und Marl (=Überprüfung ob die von Kasper König, Britta Peters und Marianne Wagner kuratierte Weltausstellung tatsächlich so gut ist, wie alle sagen und schreiben); Erkenntnisse: Ja, war/ist sie! Die Münsteraner und Marler sind sicht- und spürbar stolz auf "ihr" Skulpturenprojekt (im Gegensatz dazu schämte sich die Kasseler Bevölkerung für die d14 und deren Spaziergänge anbietenden "Choristen").

Do 31.8./Fr 1.9./Sa 2.9.2017: Besuch bei Mark Thompson, Peripherie von Göteburg/Schweden (=Ateliereinblick, Auswahl der Exponate für Stuttgart, Kontaktpflege); Erkenntnisse: Wow! Wow! Wow!

So 3.9./Mo 4.9./Di 5.9./Mi 6.9.2017: Besuch bei Claudia Thorban, Tanumshede/Schweden, plus Ausflug nach Oslo/Norwegen (=Ateliereinblick, Recherche, Kontaktpflege); Erkenntnisse: Die 3.000 Jahre alten Felsritzungen von Tanum lassen jeden A.R.Penck-Fan erblassen; Oslos Oper gehört zu den schönsten Gebäuden, die ich bisher gesehen habe.

Do 6.9/Fr 7.9./Sa 9.2017: Transport der teils atelierfrischen Gemälde von Mark Thompson im Auto von Schweden, über Berlin nach Stuttgart, plus kurzes Eintauchen in die Berliner Museumslandschaft (=sicher ist sicher); Erkenntnis: Die Autostrecke Göteburg > Berlin > Stuttgart zieht sich! Als passiver Beifahrer bin ich ungeeignet.

Sa 9.9.2017, 17 Uhr: Vernissage der Schau "Homage to Modern Art", Galerie Schlichtenmaier, Dätzingen (=Geburtstagsdankeschön für Joachim Kupke und Alles muss raus-Bitteschön); Erkenntnis: halbe Joachim Kupke-Ausstellung + halbe Rest-Of-Modern-Art-Ausstellung = ganz schönes Durcheinander, inkl. Dutzender Berichtigungshinweise wg. englischer Schreibweise von "Hommage".

Mi 13.9./Do 14.9.2017: zsm. mit den Künstlern Aufbau der Ausstellung "Marc Dittrich, Mark Thompson – Platzverweis", Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (=Dialogfindung); Erkenntnisse: mit "unkomplizierten" Künstlern eine Ausstellung aufzubauen und zu hängen, macht viel mehr Spaß als mit "komplizierten" Künstlerinnen.

Fr 15.9.2017, 19 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Marc Dittrich, Mark Thompson – Platzverweis", Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (=sehr gut besuchte Vernissage, inkl. sehr guter Einführungsrede von Otto Pannewitz); Erkenntnisse: Noch nie wurden so viele Exponate während einer Vernissage verkauft! Liegt evtl. daran, dass die Thompson-Fans vier Jahre auf das neue Deutschland-Gastspiel des Künstlers warten mussten.

Sa 16.9./So 17.9.2017, 19-4 Uhr: private "Factory"-Party im Galerienhaus (=kunstsinnige Glitzer-Deko made by Desiree Lune meets machohafte Tischtennis-Mäxle-Spielchen und Indie-Elektro-Sounds); Erkenntnis: Wenn’s als Galerist nicht mehr klappt, werde ich DJ.

So 17.9.2017, 11.15 Uhr: Festakt "30 Jahre Städtische Galerie und Galerieverein", Städtische Galerie Böblingen (=Vortrag von Hermann-Josef Bunte über die Wichtigkeit von kleineren Museen und Übergabe eines Grafik-Konvoluts von Gerhard Bleicher an die Städtische Galerie); Erkenntnis: Ich muss nach Hause, weiter schlafen, achnee, ich muss in die Galerie zum Aufräumen.

Di 19.9.2017, 18 Uhr: "Finissage" der Ausstellung "Hartmut Landauer – spirit", Städtische Galerie Ostfildern (=familiäre Verabschiedung der Ausstellung); Erkenntnis: Spirit und Spirituosen vertragen sich gut.

Mi 20.9.2017, 19.30 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Tesfaye Urgessa – Auszeit", Galerie der Stadt Wendlingen a.N. (=bisher umfangreichste, vom Künstler selbst kuratierte Einzelschau); Erkenntnis: "Meine" Künstler können auch ohne mich hervorragende Ausstellungen konzipieren und hängen

Fr 22.9. , 10-14 Uhr: 2. Jury-Sitzung für das Nagolder Projekt „Kunst auf Abwegen“ zsm. mit Eva Ott, Galerieverein Leonberg, und Silva Brand, Kunststiftung Ba-Wü, Dausacker-Wohlfarth GbR/Bürogemeinschaft Freier Architekten, Nagold (=gemeinsame Bestimmung der drei "Sieger"); Erkenntnis: Mühe wird belohnt. Fast immer.

Sa 23.9./So 24.9.2017: zsm. mit der galerie merkle bzw. Horst Merkle und Ines Ebertz Teilnahme am Galerienrundgang „Art Alarm“ mit der eigenen Ausstellung "Platzverweis", insg. 17 Galerien, Stuttgart (=erneuter Hemmschwellen-Abbau und Zurschaustellung der Stuttgarter Galeristengemeinschaft); Erkenntnisse: Gute Ausstellungen benötigen kein Special-Art-Alarm-Event! Die Ausstellung selbst kann das Event sein!

Mo 25.9.2017, 12 Uhr: Arbeitsbesuch in einer Klinik, Peripherie von Stuttgart (=Vorbesichtigung und Besprechung der möglichen Exponate für eine Ausstellung zum Thema "Körper"); Erkenntnisse: Die Idee, Kunst temporär als Flur-Dekoration zu integrieren, reicht mir persönlich nicht. Bei Ausstellungen in kunstfremdem Umfeld sollten die Kunstwerke den Arbeitsalltag vor Ort kommentieren und assoziativ erweitern (inzwischen liegt das Ausstellungsvorhaben auf Eis, und bleibt da wohl auch liegen).

Do 28.9.2017, 19 Uhr: Eröffnung des Nagolder Projekts "Kunst auf Abwegen" zsm. mit Menja Stevenson, Stefanie Reling u.a.; Alte Seminarturnhalle, Nagold (=Preisverleihung, Präsentation der Preisträger und aller Teilnehmer anhand jeweils eines Kunstwerks an der Hallenwand); Erkenntnis: Hmm...

Fr. 29.9.2017, 20.30 Uhr: Kurzkonzert "Der Musikant" (weil sein "Heute"-Partner G.A.W. krank ist) innerhalb der Ausstellung "Wie der Punk nach Stuttgart kam", Württembergischer Kunstverein, Stuttgart (=unbunte, größtenteils partyunwütige Ansammlung von Männern "im besten Alter"); Erkenntnis: Die 80er rulen!

Fr 29.9.2017, 22.30 Uhr: private Party von Danielle Zimmermann, Künstleratelier, Stuttgart-Ost (=bunte, größtenteils partyunwütige Künstlerinnenansammlung); Erkenntnisse: Putte und Edgar haben’s drauf! Immer noch! Das ist Punk!

Sa 30.9.2017, 20 Uhr: Mal-Session/Essen zsm. mit Adrian Noppel, Rüdiger Scheiffele und Robert Mayer bei Natasha Gurewich, Künstleratelier, Stuttgart-Nord (=gegenseitiges Zeichnen); Erkenntnis: Ich bin kein Künstler.

So 1.10.2017, 11:15 Uhr: Vortrag "Protest! – Die Stuttgarter Sezessionskünstler" von Galerieleiterin Corinna Steimel, Städtische Galerie Böblingen (="Überblick über die Stuttgarter Künstlergruppen und die Böblinger Sammlungs-Konzeption"); Erkenntnis: Stuttgart war mal Nabel der Kunstwelt.

Mi 4.10.2017, 19 Uhr: "Linienbekentnisse" überschriebenes Künstlergespräch mit Katharina Hinsberg und Thomas Müller (Jorinde Voigt war leider krank), Kunstmuseum Stuttgart (=Dr. Andreas Schalhorn, Referent für moderne und zeitgenössische Kunst am Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin versucht sich als Moderator); Erkenntnis: Der 1:1-Filmmittschnitt wurde bis Juni 2018 lediglich 330 mal bei youtube angeklickt, null Kommentare.

Do 5.10.2017, 18.30 Uhr: VIP-Preview der Ausstellung "Frischzelle_24: Ann-Kathrin Müller", Kunstmuseum Stuttgart (=erster Versuch, eine gemeinsame VIP-Preview der „Freunde“ des Kunstmuseums und des Hauptsponsors, der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, durchzuführen); Erkenntnisse: Kaum jemand interessiert sich für die vorgestellte Kunst und die anwesende Künstlerin; die zwei VIP-Gruppen durchmischen sich null.

Sa 7.10.2017, 10.35 Uhr: Abholung von Eike Schmidt, Museumsdirektor der Uffizien in Florenz, am Flughafen Stuttgart (=gemeinsamer Atelierbesuch bei Tesfaye Urgessa in Nürtingen plus gemeinsame Besichtigung der Urgessa-Schau in Wendlingen); Erkenntnisse: Das Erlebnis "Fleischkäsbrötchen-Essen mit Uffizien-Direktor Eike Schmidt" ist eine eigene Geschichte wert! Mit Raffael, Michelangelo und Caravaggio im Kopf interpretiert man Tesfayes Gemälde ganz anders (ein Resultat der Begegnung ist ab Dezember 2018 in den Uffizien in Form einer Urgessa-Ausstellung zu sehen).

Do 12.10.2017, 19.30 Uhr: Besuch der "Linie West" (=Selbstbespaßung einiger Galeriekollegen im "Westen"); Erkenntnisse: Kaum Besucher (außer mir null bei Braunbehrens, null im Künstlerhaus, eine Hand voll in der erst kurz davor über ihre Teilnahme in Kenntnis gesetzte Oberwelt; die Besucherbetreuung im Künstlerhaus wird genauso wenig gepflegt wie die Homepage www.liniewest.de.

Fr 13.10.2017, 19 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Alexander Kluge. Gärten der Kooperation", Württembergischer Kunstverein, Stuttgart (=Neufassung eines 2016 im Kunstzentrum La Virreina Centre de la Imatge in Barcelona ausgestellten Film-, Text und Objekt-Allovers); Erkenntnisse: irgendwas mit Pasolini und Adorno; Alexander Kluge ist ein kluger Mann.

Fr 13.10.2017, 21 Uhr: Besuch der privaten Geburtstagsparty eines Künstlers (nicht bei mir im Programm), Stuttgart-Nord (=Hoffnung, mal wieder mit Gleichaltrigen ausgelassen tanzen zu können); Erkenntnisse: schönes Ambiente, Toiletten-Taxi, wenige Gäste, keine Tänzer.

So 15.10.2017, 11:15 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Tobias Ruppert und Gäste – mehrdimensional", Städtische Galerie Ostfildern (=Holle Nann spricht, Ulrike Stortz spielt Geige, Tobias Ruppert zeichnet); Erkenntnis: Wow, was eine in den White Cube des Ostfildener Stadthauses eingezogene schiefe Ebene aus Holz so alles verändert!

Mi 18.10.2017, 19 Uhr: "Diskussion zur Wechselwirkung von Kunstschaffen und Stadtentwicklung" mit Yvonne P. Doderer, Martin Fritz, Ulrike Groos und Robin Bischoff, moderiert von Dietrich Heißenbüttel, rosensteinalm/Wagenhallen, Stuttgart-Nord (=eigentlich Quatsch: Gedankenaustausch zwischen Insidern für die anwesenden Insider); Erkenntnisse: eigentlicher Star des Abends ist Gabriela Oberkoflers rosensteinalm, zugleich Bauernhof, Installation, Atelier, Ausstellungsraum und Diskussionsplattform.

Do 19.10.2017, 18 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Disco Debris" von Hartmut Landauer, 8. OG der Stuttgarter Stadtbibiothek (=Schallplattencover-Collagen-Metamoprhosen und Toba & Pheel am Mikro und der Beatbox); Erkenntnis: Mit Musik geht alles besser; mit hyperaktiven Kleinkindern nicht.

Fr 20.10.2017, 19 Uhr: Vernissage "FUKS – das unbekannte Kunstwerk", Kunstbezirk/Gustav-Siegle-Haus, Stuttgart (=Gemälde von Barbara Armbruster, Isolde Kapp, Christa Munkert und Kerstin Schaefer); Erkenntnisse: "Reine Malerei. Unbedingte Malerei. Lebensnotwendige Malerei. Starke Malerei. Fragende Malerei. Hinterfragende Malerei. Ungesehende Malerei. Findende Malerei. Malerei als Antwort."(Zitat, inkl. Schreibfehler von der FUKS-Homepage); unnötige Malerei.

Fr 20.10.2017, 20 Uhr: Vernissage "Heiner Meyer + Ford Beckmann", Matthias Küper Galleries, in diesem Fall Stuttgart (=Heiner Meyer meets Ford Beckmann, Pop meets Pop); Erkenntnis: Mitglied im Lions Club zu sein, schadet offenbar nicht.

So 22.10.2017, 15 Uhr: Vernissage "Bildgewalt. Darstellungen zwischen Wahn & Wirklichkeit aus den Kunstsammlungen der Stadt Böblingen" (=erste gemeinsame Ausstellung des Bauernkriegsmuseums und der Städtischen Galerie in der Zehntscheuer Böblingen); Erkenntnisse: Ach, was wäre es schön, wenn die Städtische Galerie Böblingen dauerhaft und das ganze Jahr über ein eigenes Gebäude nur für sich bespielen könnte!

25.10.2017, 19 Uhr: geplantes Gespräch "Boom der Figuration: Markus Oehlen", Kunstmuseum Stuttgart (=ratloses Einlassbegehren zsm. mit zwei Seniorinnen; erst auf Nachfrage teilt der Security-Mann mit, dass die Veranstaltung ausfällt); Erkenntnisse: Vor einem Veranstaltungsbesuch im Kunstmuseum immer auf die Homepage schauen.

Do 26.10.2017, 20 Uhr: Konzert Zoot Woman, Club Cann, Stuttgart-Canstatt (=pompöser Elektro-Pop, leider ohne Kylie Minogue bei "Absenc"“); Erkenntnis: Zoot Woman sind die besseren Pet Shop Boys; We won’t break.

So 29.10.2017, 13.30 Uhr: Besuch der Ausstellung "Ana Navas – I had to think of you / Ich musste an dich denken", Galerie der Stadt Sindelfingen (=Martin Kippenberger lässt freundlich grüßen); Erkenntnis: "Ausstellungsbegleiter" können einem keine wirkliche Auskunft zur Ausstellung geben (Vgl. auch 10_Partieller Partizipationspessimismus. Sindelfingens "Off"-Kunst macht ratlos – zum Lesen hier 10 Meter nach unten scrollen).

So 29.10.2017, 15.00 Uhr: Ausstellungsbesuch "Shirin Neshat – Frauen in Gesellschaft", Kunsthalle Tübingen (=letzter Tag der Ausstellung) Erkenntnisse: Christian Baudisch neigt auch zu Last-Minute-Besuchen; Aufsichten können auch gutgelaunt sein.

31.10.2017, 19 Uhr: private Vorführung des Films "Munch" von Peter Watkins, Schacher – Raum für Kunst, Stuttgart (="Die wahre Kunst des 21. Jahrhunderts ist der Film", sagt Jean-Luc Godard), Erkenntnis: Selten waren sich Spielfilm, Doku und das echte Leben so nah wie hier (Vgl. auch 12_Marko, Marc und Munch. Gastbeitrag von Olaf Deconinck)


Marko Schacher, diverse Daten

Fortsetzung folgt!



13_Schamanen oder Showmen?
Grenzerfahrungen zu "Kunst und Projekte Sindelfingen", Tino Sehgal und Fluxus

Keine Weisheit: Oft weiß man erst, was man an jemandem gehabt hat, wenn man denjenigen nicht mehr hat. Diese Erfahrung machte ich auch im Herbst 2017, als erstmals keine vom Verein "Kunst und Projekte Sindelfingen" initiierte Ausstellung in der Städtischen Galerie Sindelfingen stattfand. Ein Hauch Beuys und Kippenberger durchwehte zwar auch die aus scheinbar ungeordnet und hierarchielos präsentierten Tapeten, Textilien und Objekten bestehende, von der neuen Galerieleiterin Magdalen Frey kuratierte Ausstellung "I had to think of you" von Ana Navas. Es fehlte aber der Geist von Ingrid Burgbacher-Krupka und das Geschick von Konrad Burgbacher. Beide betrieben einen stets enormen, an Selbstausbeutung grenzenden Aufwand, um "der in Sindelfingen noch nicht arrivierten Kunst eine Plattform zu bieten". So steht es auf der "Wir"-Seite der sympathisch wirr geratenen Homepage www.kunstundprojekte.de.
Beide lebten ihre Präsentationen, standen voll und ganz hinter allen Exponaten und trugen alle ihre Begegnungen und Erfahrungen stets im überfüllten Kopf mit sich herum. Eine Grenze zwischen privaten Reisen und beruflichen Recherchen gab und gibt es nicht. Gefragt und häufig auch ungefragt erzählte einem vor allem Ingrid Burgbacher-Krupka mit stolzen, oft etwas überkandidelten Worten von den Hintergründen der Exponate, der Künstler und der großen Bedeutung des eben zu Erlebenden.

"wenn die kunst die macht hätte ihre zeit zu verändern, was würden sie sich wünschen?" Mit dieser von Jochen Gerz als "Die Pluralskulptur" in den analogen vor allem aber virtuellen Raum gestellte Frage fing für mich 1997 vieles an. "Ich würde mir wünschen, die letzten vier Jahre noch einmal leben zu können – allerdings mit dem Wissen, das ich jetzt habe", antwortete ich am 15. Mai 1997 um 22.50 Uhr. Damals noch vom E-Mail-Account meines technisch weitaus versierteren Kumpels Jörn Vogt aus. Da das "ihre" wie alle anderen Worte auch klein geschrieben war, konnte man es als "Ihre" lesen und es auf die eigene Zeit beziehen (was ich offenbar getan habe), oder auch als "ihre" Lesen und auf die der Kunst immanente Zeit beziehen.

Seitdem ist viel passiert: Damals war ich als Journalist für die Feuilleton-Redaktion der "Stuttgarter Nachrichten" und für das Stuttgarter Stadtmagazin "Lift" unterwegs, inzwischen bin ich Galerist in Stuttgart. Und habe längst eine eigene E-Mail-Adresse. Vieles, das damals neu war, ist heute selbstverständlich. Die Burgbacher-Krupka-Projekte haben mir die Angst vor den "neuen" Medien genommen (Jochen Gerz, Nam June Paik, Peter Weibel). Sie haben mich erstmals mit der Thematik der digitalen Foto-Manipulation konfrontiert (Jörg Sasse, 1999). Sie haben mir die auratische Aufladung von Kunst im öffentlichen Raum gezeigt (Kyong Park, Detroit-Project, 2001). Sie haben mir bewiesen, dass Lichtkunst auch poetisch sein kann (Wang Fu, You are so beautiful, 2005). Sie haben vorgeführt, dass die Grenzlinien zwischen Kunstobjekt und Umraum und auch zwischen Kunst und Leben alles andere als genau zu bestimmen sind (unzählige Beispiele). Und sie haben vorgeführt, dass man sich mit Witzen zumindest ein Essen verdienen kann (Byung Chul Kim, Humor-Restaurant, 2016).

Die Sindelfinger Ausstellungen entfachten und vertieften mein Interesse für die künstlerischen Positionen von Nam June Paik, Christian Jankowski, Ben Vautier, Thomas Bayrle und vor allem Tino Sehgal. Als ich im Juni 2003 in der von Molly Nesbit, Hans-Ulrich Obrist und Rirkrit Tiravanija kuratierten "Utopia Station" auf der 50. Kunstbiennale in Venedig eine weibliche Aufsicht "This is Propaganda", gefolgt von einem leiseren "You know, you know" singen hörte, war ich nicht zuletzt durch meine Erfahrungen in Sindelfingen darauf vorbereit, dass dies tatsächlich Kunst sein könnte! Den dahinter stehenden Künstler Tino Sehgal kannte ich damals nicht wirklich. Heute ist er, nicht zuletzt aufgrund der absoluten Konsequenz seiner immateriellen, unfotografierbaren Beiträge, einer meiner absoluten Lieblingskünstler. Sehgal zwingt den Besucher mit seinen performativen "Situationen", die Kunst im Hier und Jetzt zu erleben und war damit ein Wegbereiter von Anne Imhof, die 2017 völlig zu Recht in Venedig für ihren Beitrag im Deutschen Pavillon mit dem Golden Löwen ausgezeichnet wurde.

Ingrid Burgbacher-Krupka teilt meine Begeisterung. Oft, wenn wir uns sehen, vor allem bei den Begegnungen in Venedig tauschen wir unsere aktuellen Sehgal-Erfahrungen aus. Toll, dass sie den heute weltberühmten Künstler, der seine ersten Bühnenerfahrungen in der Theater-AG am Sindelfinger Goldberg-Gymnasium machte, bereits im Herbst 2003 zurück nach Sindelfingen geholt hat. Damals ließ sie Andreas Böttinger, die gute Seele der Städtischen Galerie, den "Kunst und Projekte"-Beitrag aufführen: das Zeigen eines immateriellen Plakats. Zwei Jahre später, als Sehgal den Deutschen Pavillon in Venedig bespielte, kletterte ich über den Zaun der Giardini, weil ich mit dem Künstler zwar einen Interview-Termin vor Ort, aber noch keine Presse-Einlasskarte hatte. Mit dem Wort "Burgbacher" konnte ich punkten. Das Gespräch war ganz wunderbar!
Zum Ende der Kunstbiennale lud Peter Bausch, Kulturredakteur der Sindelfinger/Böblinger Zeitung, Ingrid Burgbacher-Krupka und mich zum "Sehgal-Kunst-Diskurs" an den runden Tisch des Sindelfinger Pressehauses. Das Resultat: ein ganzer Artikel über die spannenden Grenzbereiche von Kunst in der Zeitung, Ruhm und Ehre und drei Punkte auf dem Sympathie-Konto von Sehgal. Seitdem sind Tino und ich uns bei verschiedenen Gelegenheiten in Venedig, Kassel und Berlin wieder begegnet, teils im halb-öffentlichen Rahmen. Meine Ex-Freundin hat mir vor ein paar Jahren ein Multiple von Tino Sehgal geschenkt, das aus einem Wort bestand, das mir von einem Galerie-Mitarbeiter am Telefon genannt wurde. Leider hab ich es vergessen.
2014 zum 25-jährigen Bestehen des Vereins "Kunst und Projekte" kam Tino Sehgal nach Sindefingen zurück und ließ Schüler des Goldberg-Gymnasiums seine interaktive (Venedig-)Performance "This Is Exchange" verrichten. Wer sich mit den Jungs und Mädels auf ein Gespräch über die Marktwirtschaft einließ, bekam an der Kasse 2 Euro ausbezahlt. Ich unterhielt mich lieber mit Tino Sehgal.

Als seit 2011 selbständiger Galerist, der zwar museal denkt und zumeist zwei künstlerische Positionen im Hauptausstellungsraum seiner Galerie kombiniert und konfrontiert, habe ich solche Freiheiten und Möglichkeiten nicht. Am Ende des Tages, Monats beziehungsweise Jahres müssen sich die Ausstellungen "rechnen" und zumindest das Geld einspielen, das ich mit ihnen ausgegeben habe. Dennoch finden sich mit Justyna Koeke, Jim Avignon, Jenny Winter-Stojanovic und Jürgen Oschwald mindestens vier Künstler im Programm, die vor allem und auch Performance-Künstler sind.
2018 wird Jürgen Oschwald auf der Art Karlsruhe als eine Art Messe-Stand-Maestro fungieren, der durch tägliche und stündliche, kurzzeitige Ab- und Aufbauten meinen Galerie-Auftritt in permanenter Bewegung hält. Messe-Mobiliar und Ausstellungsstücke verschmelzen miteinander. Indem Oschwald aus im Hallen-Lager und in den Backstage-Bereichen gefundenen Objekten (Paletten, Stangen, Holzlatten, Folien, Werbebroschüren) nur wenige Minuten oder Stunden bestehende Skulpturen baut und auch wieder abbaut, wird die Koje in regelmäßiger Veränderung sein. So passt sich die Präsentation an den momentanen, unsicheren Zustand unserer Gesellschaft an. Ganz nebenbei konterkariert Jürgen Oschwald damit die offensichtliche Kommerzialität der Veranstaltung, indem er unverkäufliche Objekte präsentiert und so etwaige Kaufabsichten ad absurdum führt.

Letzterer Satz könnte auch von Ingrid Burgbacher-Krupka stammen. George Maciunas’ Fluxus-Gedanke fließt in meinem Hirn. In unseren Hirnen. Das Kunstwerk als Fetisch interessiert mich weniger, eher "die Kunst als Raumspray", wie das die Stuttgarter Kunsthistorikerin Valerie Hammerbacher einmal formuliert hat. Besucher meiner Galerie versuche ich zu motivieren, sich auf die Exponate einzulassen, ihren Kopf aus dem Stand by-Bereich zu befreien. Sie sollen sehen und spüren, was das Kunstwerk mit ihnen macht, ob und wenn ja, welche Emotionen aufkommen. Die Künstler kenne ich in der Regel seit vielen Jahren und kann so, wie auch Ingrid Burgbacher-Krupka, Auskunft über deren biografischen Besonderheiten geben. Jedes Kunstwerk ist ein Stück Biografie und ein Selbstportrait. "Weitaus mehr als das autonome Bild an der Wand interessieren mich durch Kunstwerke geschaffene Kommunikationsangebote und Erlebnisräume", habe ich schon vor 18 Jahren auf meiner eigenen Homepage geschrieben.

Die in meiner Galerie präsentierten Exponate von "jungen" Künstlerinnen und Künstlern aus der Region Stuttgart suchen den Dialog mit einander, dem Ausstellungsraum und den Besuchern. Und sie finden ihn zumeist auch. Bei den Ausstellungen, in denen der Dialog eher aus zwei Monologen besteht, wünsche ich mir die Räumlichkeiten, die der Verein "Kunst und Projekte" im ehemaligen Sindelfinger Rathaus auf zwei Etagen hatte. Und manchmal auch dessen Verbindungen, Kontakte und Erfahrungen.

Ingrid Burgbacher-Krupka und – stets in ihrem Schatten, aber dennoch präsent – Konrad Burgbacher waren ihrer Zeit stetig voraus! Ihre Präsentationen waren für Sindelfingen immer too much! Zuviel des Guten! Sie haben Bazon Brock, Thomas Ruff, Christine Hill, Jonathan Meese, Tobias Rehberger, Alicja Kwade und Ulrich Rückriem in die Peripherie geholt, teils mehrmals. Wer offen genug für Neues und Ungewohntes war, wurde mit Augen- und Hirnkitzlern belohnt. Wer nicht, nicht. Konventional war wenig, beunruhigend und anregend viel. Zu dem Zeitpunkt, als dieser Text entsteht, werden 20 interaktive Klangskulpturen von Walter Giers unter dem ranschmeißerisch formulierten Titel "Palais des Techno" im künftigen Stadtmuseum Stuttgart gezeigt. "Kunst und Projekte" tat das bereits 1992 in Sindelfingen. Ohne Techno.

In meine Gehirnwindungen eingebrannt hat sich Fluxus-Altmeister (mit Betonung auf der zweiten Silbe) Ben Patterson. 2005 hat er zur Eröffnung der Schau "Fama Fluxus – Mythos Beuys" sein "Paper Piece" von 1960 wieder aufgeführt und dabei grinsend zusammen mit Kunststudenten in einem Zeitungsseiten-Berg herumgewühlt. Selten hat ein Künstler die Grenze zwischen Schamane und Showman so spielerisch vermischt!

Marko Schacher, 10. Dezember 2017

Eine Version dieses Texts erscheint in der Publikation zum 30-jährigen Bestehen des Vereins
"Kunst und Projekte Sindelfingen", die im Laufe des Jahres 2018 veröffentlicht wird



12_Marko, Marc und Munch
– zu lesen auch als: Marko marc Munch
= Gastbeitrag von Olaf Deconinck


Vor-Vor-Wort

Ich habe was zu erzählen! Und gestehe gleich in der ersten Zeile: ich bin ein Schacher – Raum für Kunst-Fan! Das ist umso erstaunlicher, als dass ich nie – nicht mal in der frühesten Jugend – einen Hang zur Fan-Kultur hatte. Keine Fan-Artikel, nirgendwo. Heute verbinden meine Frau und ich auf perfekte Art beides: Fan und Kultur. Die Wände unseres Hauses zieren dabei keine Poster vergessener 80er-Jahre-Pop-Stars oder Fußballer mit Vokuhila-Frisur, sondern künstlerische Positionen aus dem Hause Schacher – Raum für Kunst. Bei uns gibt es Raum für Schacher's Kunst. Und in diesem Sinne ist der folgende Text dann auch völlig befreit von kritischer Distanz und Objektivität oder irgendeiner anderen journalistischen Gesetzmäßigkeit (die ich ohnehin nicht kenne). Er ist Fan-Post und wertschätzt auf ganz persönliche Art einen Galeristen und seine Arbeit.

Vor-Wort

Wer die Homepage von Marko kennt, hat sicher schon mal seine Kunstgeschichten gelesen. Auch hier
– Achtung: mangelnde kritische Distanz! – bin ich leidenschaftlicher Leser und eben Fan der Schacher'schen Wort- und Text-Gebilde. Und an dieser Stelle fordert der Galerist selbst zu subjektiven Gedanken zum kulturellen Geschehen auf. Seine Bitte, eben seine Kunstgeschichten zu ergänzen, ignoriere ich höflich aber bestimmt und liefere meinen eigenen Text zu einem von Marko selbst veranstaltetem kulturellen Geschehen:

Arthaus im Arthouse I: Munch, 31.10.2017

Nach dieser Veranstaltung fühle ich mich erstmalig auf- und ge-fordert, dieses kulturelle Highlight entsprechend zu kommentieren. Wer die Geister rief… selber Schuld, Marko!

Wort I

Am 27.10.2017, 18:24 Uhr erreicht mich wieder eine von Markos gern gelesenen und nie zu kurzen Emails. Darin kündigt der Galerist eine neue Veranstaltungsreihe an: "Arthaus im Arthouse". Es stand neben vielem Anderen geschrieben: "Innerhalb der privaten Veranstaltung ausschließlich für Freunde des Galerienhauses und der Filmgalerie zeigen wir den Film ,Munch' von Peter Watkins aus dem Jahr 1974 als Original mit englischen Untertiteln. Der 174minütige Film ist eine anregende Kombination aus Spielfilm, dokumentarischem Voiceover und Tagebuchzitaten, und schafft es damit, das Denken, Fühlen und wegweisende Schaffen des großen Künstlers Edvard Munch zu erfassen. 1976 erhielt der Film den British Academy Award für die beste fremdsprachige Produktion. ,Die Arbeit eines Genies', meint Ingmar Bergmann."

Es gibt ein paar Schlüsselwörter wie "private Veranstaltung" oder "für Freunde", die mir sofort gesagt haben "da gehe ich hin". "Privat" klingt per se immer gut und exklusiv sowieso und zur Gruppe "Freunde des Galerienhauses" würde ich mich mal dazu zählen – Marko wohl auch, denn sonst hätte ich die Mail nicht bekommen. Heißt: hingehen! Andere Textelemente allerdings lassen mich dann doch zögern, ob ich Markos Anspruch und seiner Einladung folgen kann. Und man lese sich bitte die beachtliche Spieldauer laut vor: 174 Minuten!!! Das ist ganz schön lang. S – RfK-Fan hin oder her.
Als Vorfilm wird noch als Appetitanreger "Kunscht ist für jeden was Anderes" – vom Galeristen selbst – angekündigt. Die Kurzfassung zwar, aber weitere 10 Minuten Film. In Summe stehen also 184 Minuten oder 3 Stunden und 4 Minuten anspruchsvolle Kultur im Angebot. Uff! Das ist ja fast wie bei den Bayreuther Festspielen. Wagner lässt grüßen.

Egal! Als Fan trage ich also den wagnermäßigen Schacher-Termin in den digitalen Familienkalender ein, damit auch meine Frau über diese kulturelle Herausforderung schriftlich informiert ist. Vielleicht geht sie ja mit?! Und den Familienkalender brauchen wir, weil wir als Patchworkfamilie auf Minutenbasis Arbeits-, Freizeit- und Familientermine planen müssen. Und alles Unerwartete ist da noch gar nicht mitgedacht. Wie kriegen wir da bloß 184 Minuten unter? Und dann noch An- und Abfahrt, zur Einlasszeit 30 Minuten vorher pünktlich da sein und bestimmt eine Pause einplanen. Da stehen schon mindestens 450 Minuten im Familienkalender.
Immer noch egal! Ich habe einen festen Vorsatz als Fan und der heißt a) da will ich hin und auch ohne Fan-Ansatz kommt b) ich will mal wieder raus und was erleben. Schnell zeigt der Familienkalender, dass meine Frau nicht mit gehen kann. Wir bekommen keine Abendbetreuung für unsere 5jährige Tochter. Und die 15jährige hat eigene Pläne – it's Halloween. Dann gehe ich alleine hin – ich habe ja a) und b) und das geht auch alleine. Oder frage ich einen Freund, ob er mitkommt? Meine Frau ermutigt mich, meine Freundschaften auf die Probe zu stellen – und der letzte Gedanke wird durchgespielt:

Freund Claus – kenne ich seit fast 30 Jahren. Aber sehr, sehr schnell wird klar, es wären wohl die letzten 184 Minuten unser Freundschaft. Anspruchsvoller Kulturfilm ist nicht unsere gemeinsame Basis der langjährigen Freundschaft. Er war schon vor 30 Jahren mehr der Kneipen-Typ. Und manche Dinge ändern sich nicht so schnell. Prost.
Freund Thorsten – kenne ich nicht sooo lange, ist aber sicherlich offen für Neues. Ein kritischer Geist, Veganer noch dazu. Da geht auch Kulturfilm. Aber wir haben kürzlich erst den neuen "Blade Runner 2049" gesehen. Viel SciFi-Atmosphäre und auch ein Film mit Überlänge. Ob Thorsten für "Munch" der passende Begleiter ist? Bin doch nicht so sicher. Und sein Familienkalender nimmt es problemlos mit unserem auf und er braucht meistens mehr Vorlauf. Sein Namenskärtchen wird mal auf den Vielleicht-Stapel gelegt.
Freund Emad – würde überall mit mir hingehen. Für Syrer hat Freundschaft einen sehr hohen
Stellenwert und wenn ein Freund Begleitung braucht – egal wohin – wird er nicht alleine gelassen. Hier wäre aber nicht nur der anspruchsvolle Kulturfilm eine Herausforderung. Hier reichen weder die aktuellen englischen Sprachkenntnisse (Untertitel) noch die Kenntnisse der norwegischen Sprache aus, den Film verfolgen zu können. Nicht mal in der deutschen Synchronisation wäre es sprachlich für ihn problemlos zu bewältigen. Also leider auch keine Idealbesetzung für meine Begleitung.
Freund Frank – hier gibt es mehrere Ansätze. Wir kennen uns noch nicht so lange und so ein Event könnte unsere Freundschaft festigen. Oder aber zu einem schnellen Ende führen. Aber ich bin Optimist und zähle dennoch einen Plus-Punkt für Frank. Er wohnt nur drei Häuser weiter in direkter Nachbarschaft und wir könnten eine Fahrgemeinschaft bilden. Punkt für Frank. Ich bin sicher, auch er füllt einen Familienkalender, obwohl kein Patchwork ihn dazu nötigt, ist aber auch flexibel genug für Spontanes. Sollte er also planerisch hinbekommen. Dritter Punkt. Und: er hat einen Doktor-Titel. Soll heißen, er ist diesem anspruchsvollen Kulturevent intellektuell sicherlich vom Grundsatz her gewachsen oder fühlt sich vielleicht sogar von mir herausgefordert. Noch ein Punkt. Ich frage Frank! Per WhatsApp schicke ich ihm einen YouTube-Link mit Film-Trailer (sicher ist sicher), allen Fakten (damit er hinterher nicht sagen kann, er war ahnungslos) und einen netten Text mit der Frage, ob er Lust auf Kultur hat. Ich lobe zusätzlich noch die Galerie und den Galeristen. Mehr kann ich nicht tun.
WhatsApp zeigt mir, die Nachricht ist zugestellt und ich schraube meine Erwartung auf den Null-Punkt, sehe mich alleine dieser kulturellen Herausforderung gegenüber und rechne mit einer Absage von Frank - werde aber kurz danach durch seine WhatsApp-Antwort mit den Worten volle Zusage überrascht.
Ich freue mich sehr! Als Fan und als Freund und auf einen spannenden Abend.

Wort II

Am 31.10.2017 um Punkt 18 Uhr machen wir uns dann als Fahrgemeinschaft auf den Weg zu Schacher – Raum für Kunst und Edvard Munch. Pünktlich zur Einlasszeit um 18:30 Uhr fahren wir auf den Innenhof der Galerie. Der Familienkalender ist stolz auf uns für soviel gute Planung. Treppe rauf und am Eingang zum Kulturtempel begrüßt uns Marko zusammen mit Marc Hug, der diese Veranstaltung mit initiiert hat. Geld in die Kasse (von kostenlos war ja nie die Rede und bei Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf – auch für Freunde der Galerie) und ganz passend einen Stempel auf den Arm, damit wir zu Hause bei unseren Frauen auch einen Beweis haben, dass wir nicht in der nächsten Eckkneipe gelandet sind. Man weiß ja nie. Mäntel an die Kleiderstange gehängt. Los geht's.
Meinem doktorbetitelten Freund zeige ich als erstes die Galerieräume und die Kunst. Der Weg vorbei an der Bar bringt uns ein Bier in die Hand. Männerabend für Ü-hm-zig. Das Kino ist improvisiert mit einer Leinwand und von mir nicht gezählten ca. 30 Stühlen. Typisch Schacher: perfekt unperfekt. Bin schon begeistert und habe noch keine der 184 Filmminuten gesehen. Auf Marko ist Verlass – was sollte jetzt noch schief gehen?

Mit der Verlässlichkeit nahm es schnell ein zweifelhaftes Ende. Zwei Plätze in der ersten Reihe. Harte Stühle. Marko, wie soll ich darauf 184 Minuten überstehen? Ist das ein Schacher-Test? Eine Bestrafung für Freunde der Galerie? Will Marko seine Freundschaften kündigen? – das wäre per Mail auch möglich gewesen. Gerne auch eine lange. Hilfe – ich will auf mein weiches Sofa. Welcher Freund hat mich nicht davon abgehalten, dieser Einladung zu folgen? Hat Marko eine Facebook-Seite, auf der ich ein Dis-Like anklicken kann? Weitere Erschwernis: Ich bin der Fahrer unser Frank&Olaf Fahrgemeinschaft und Bier als Sitz-Helfer in der Not fällt für den weiteren Verlauf des Abends somit raus. Da muss ich jetzt durch. Und meine Frau hat noch gesagt, wahrscheinlich liege man bei Marko auf dem Boden mit Matratzen oder so. Welch ein Irrtum, Schatz.

Zu Beginn der Filmvorführung begrüßt Marko gewohnt lässig und entspannt seine Kinogänger. Filmvorführer Marc tut es im gleich. O.k. – ein Like auf der Facebookseite, von der ich immer noch nicht weiß, ob es sie überhaupt gibt. Der Vorfilm – eine 10minütige Kompression eines ursprünglich 60 Minuten langen Films von Marko – ist sehr kurzweilig. Ich würde gerne die Langversion mal sehen. Ich habe noch Bier in meiner Flasche und 10 Minuten sind auch auf dem harten Stuhl schnell rum.

Kurze Künstlerpause (nie war das Wort passender). Die ca. 20 Zuschauer (Marko hat gezählt) sind eine bunt gemischte Truppe. Den einen oder anderen Sitznachbarn habe ich schon bei anderen Schacher-Gelegenheiten gesehen. Vertraute und unbekannte Gesichter. Als kleine eingeschworene Gemeinde starten wir zusammen unsere filmische Reise ins Norwegen des 19. Jahrhunderts. Für alle LeserInnen, die es zwischenzeitlich vergessen haben sollten, hier nochmal zur Erinnerung: "Der 174minütige Film ist eine anregende Kombination aus Spielfilm, dokumentarischem Voiceover und Tagebuchzitaten und schafft es damit, das Denken, Fühlen und wegweisende Schaffen des großen Künstlers Edvard Munch zu erfassen“. Das Ganze in Norwegisch mit englischen Untertiteln. Klingt nach richtig hartem Brot. Mit fällt jetzt erst auf, dass das Sehen, Hören, Lesen und Verstehen meine ganze Aufmerksamkeit fordern werden und noch mehr. Und vergessen wir das Sitzen nicht. Ich sitze in der ersten Reihe und alle Sinnesorgane sind in Arbeit. 5 Minuten vorbei. Und in diesen ersten Minuten frage ich mich, ob Frank noch willens ist, mit mir die Rückfahrt anzutreten oder schon vorher den öffentlichen Nahverkehr bevorzugt. Ich nehme es vorweg: er ist sitzen geblieben.

Und zwischen der 6. und 10. Minute passierte es. Meine auf allen Ebenen angesprochenen Sinne verweben sich zu einem Strang, der mich in diesen Film zieht. Die Schauspieler schauen mich aus dem Film direkt und auffordernd an. Fast als sei ich Teil der Handlung. Kurz sagt mein nicht filmisch geschulter Verstand, das ist vom Regisseur bestimmt so gewollt … hat funktioniert und dann sitze ich einfach nur still auf meinem Stuhl, vergesse mein Bier und finde mich im Norwegen des 19. Jahrhunderts wieder. Im Leben von Edvard Munch.
Auf der Leinwand zeigt sich das harte Leben vor über 130 oder 140 Jahren. Deutlich härter als mein Stuhl. Das Lieben und frühe Sterben. Zeigt sich ein Künstlerleben und zeigen sich die bekannten und mir auch unbekannte Bilder von Munch. Ich bin völlig fasziniert und will nur noch Sehen, Hören, Lesen und Verstehen. 174 Minuten sind viel zu kurz.

Zusätzlich passiert etwas, was sicherlich völlig ungeplant ist, aber passender nicht hätte sein können. Ich fühle selbst den kalten nordischen Winter und die kalten von Öfen schlecht beheizten Räume in denen Munch sich bewegt. Die Galerie scheint nahezu unbeheizt an diesem Herbstabend. Und mit jeder der 184 Filmminuten kriecht die Kälte in meine Füße und immer weiter rein. Ich sitze mit verschränkten Armen, um die Kälte nicht weiter kriechen zu lassen. Frank bewegt sich gar nicht. Wie macht er das auf diesen Stühlen? Vielleicht hat er einen Doktor-Titel im Stillsitzen. Das leichte Frieren verstärkt aber auf eigentümliche Weise das Erleben auf der Leinwand und ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass es bitte, bitte keine Pause geben darf. Ich will einfach nur weiterschauen und ein bisschen frieren.
Marko und Marc erhören meine Bitte nicht und die Pause kommt unweigerlich. Bitte nicht! Ein zweites Bier wird es für mich nicht geben und so hole ich mir dann doch aus Gründen der Vernunft meinen Mantel für den zweiten Teil des Films von der Kleiderstange. Munch hat dann&wann auch einen an – also kann ich meinen auch tragen. Zudem verzeiht unser Familienkalender keine Erkältungen oder krankheitsbedingten Ausfälle. Meine Frau würde mich womöglich nicht mehr zu Marko gehen lassen, wenn ich eine Erkältung statt Kunst mit nach Hause bringe. Diesen Gedanken muss ich gleich verdrängen und vorbeugen. Hoffentlich ist es nicht schon zu spät, denn ich friere mindestens schon seit 60 Minuten.

Nach der Künstlerpause und bemantelt steigen meine Sinne Gott sei dank alle in die zweite Filmhälfte mit ein, bilden einen Strang und ziehen mich wieder und weiter in den Film. Im zweiten Teil wird plötzlich auch deutsch gesprochen, da Munch viel in Berlin war. Dieses unerwartete sprachliche Verstehen hat mich kurz verwirrt – hören oder englische Untertitel lesen? Ich kann mich kurzfristig nicht entscheiden. Und kaum getan, wird wieder norwegisch gesprochen. Also bleibe ich bei einer Sache. Untertitel lesen.

Ich kürze jetzt ab und wer noch mehr über den Film und Munch wissen möchte, muss ihn selber sehen, hören, lesen und verstehen. Denn das Unvermeidliche passierte auch hier – der Film hat ein Ende. Leider!
Und nach all dem, was einem die vorangegangenen 184 Minuten abverlangt haben, wollen Marko und Marc (Zitat) „die Gesprächskultur wieder aufleben lassen (wer spricht heute noch nach dem Kinobesuch mit anderen über das Gesehene?)“ und mit allen Anwesenden ins Gespräch gehen. Lieber Marko und Marc, ich wäre gerne geblieben, aber es war kalt und spät und der Familienkalender zeigte für den nächsten Tag schon wieder Einträge. Frank hat mit mir durchgehalten, war dann aber müde. Und als Fahrer habe ich nicht nur kein Bier sondern auch Verantwortung für alle Mitfahrenden. Was bleibt – ein begeistert zu Hause erzähltes kulturelles Geschehen und 174 plus 10 Minuten Film-Highlight. 184 Minuten Arthaus im Arthouse. 184 Minuten Schacher – Raum für Kunst. Jede Minute hat sich für mich mehr als gelohnt. 184 x Danke, Marko. Der nächste Filmabend, die nächste Ausstellungseröffnung steht schon fest in unserem Familienkalender. Ich bin auf die nächsten Filme im Arthouse gespannt und schaue, welcher meiner Freunde dann der passende Begleiter ist. Es gäbe ja auch noch andere Optionen, wie zum Beispiel: Claus kann an der Bar warten. Wir sehen uns!

Olaf

Olaf Deconinck, 17.11.2017

Die private Vorführung von "Munch" fand am 31.10.2017 statt

Der Galerist und Stammschreiber an dieser Stelle fühlt sich sehr geehrt und äußerst motivert!
Und...ja, die Facebook-Seite gibt es!



11_meine erste Auktion - kommt!



10_
Partieller Partizipationspessimismus
Sindelfingens „Off“-Kunst macht ratlos

Nomen est omen: „Off“ heißt die von Alexander Janz „eigens für die Galerie Stadt Sindelfingen entwickelte partizipative Installation“. Als ich am Sonntag, den 29.10.17, gegen 13.30 Uhr gut gelaunt und motiviert den „Schaufenster Junge Kunst“ betitelten Raum am Sindelfinger Marktplatz betrete, ist die aus einer Wand, einem Beamer, einer Fernbedienung, zwei Sitzsäcken und (nicht direkt sichtbar) mit einem ferngesteuerten, mit einer Kamera versehenen Modellauto im Galerie-Depot bestehende Installation tatsächlich „off“, das heißt: ausgeschaltet.
Ob sie mir die Installation anschalten könne, frage ich die Dame an der Rezeption, die zugleich auch die ans Haus angeschlossene i-Punkt-Tourist-Information betreut und mir bis dahin vor ihrem Computer sitzend ihren Rücken gezeigt hat. Sie kommt achselzuckend zu mir, sagt „keine Ahnung, wie das geht“, dass die Projektion an dem Tag noch nicht an war, ich aber gerne versuchen könne, den Beamer an zuschalten, beziehungsweise, nein, ich solle warten, sie hole mal eben Hilfe. Okay.

Die aus dem ersten Stock herbeigerufene junge Dame kann leider nicht helfen, weiß aber, dass die partizipative Installation am Wochenende nie partizipativ ist, beziehungsweise nur, wenn Madeleine Frey, die Leiterin der Städtischen Galerie Sindelfingen, und/oder ein entsprechend autorisierter Mitarbeiter selbst vor Ort sind, um das sensibel geschützte Depot aufzuschließen und das Modellauto mit der Kamera anzuschalten. Sie selbst habe keinen Schlüssel fürs Depot. Aha. Schade.
Mir bleibt die im Prospekt angepriesene „Entdeckungsreise durch die Kellerräume“ und das „Wechselspiel zwischen dem Sicht- und Unsichtbaren, den zugänglichen und den verschlossenen Räumen“ leider verwehrt. Über einen entsprechenden Hinweis im Ausstellungsflyer, auf der Galerie-Homepage oder wenigstens vor Ort vor/in der Installation hätte ich mich gefreut. Mehr natürlich noch über eine angeschaltete, funktionierende Installation. Ich frage mich zudem, ob eine nur während weniger Stunden interaktive Installation in dem von außen einsehbaren und von außen per Treppe nonstop zur Einsicht auffordernden „Schaufenster“-Raum Sinn macht.

Naja, okay, die Hauptausstellung im Haus, „I had to think of you / Ich musste an dich denken“ (doppelt hält besser?) von Ana Navas im 1.OG wartet ja auf mich. Und der Ausstellungsflyer hat mir für freitags 14-18 Uhr und samstags, sonntags 10 bis 17 Uhr (unter anderem deswegen war ich an einem Sonntagnachmittag gekommen) kompetente „Ausstellungsbegleiter“ in Aussicht gestellt, die mich „durch die aktuelle Präsentation führen und Fragen beantworten“.
Da ich selbst als geübter Ausstellungsbesucher und Kenner der zeitgenössischen, jungen Kunst so meine Schwierigkeiten mit der scheinbar ungeordneten, hierarchielosen Präsentation der Exponate von Frau Navas habe, bitte ich die gerade ein Buch lesende „Ausstellungsbegleiterin“ um einige vielleicht nützliche Hintergründe zur Ausstellung und Präsentation. Nunja, so richtig viel wisse sie auch nicht darüber, es gehe aber um den Unterschied zwischen Original und Kopie und die Räume seien bestimmten Themen wie Minimal und Urban untergeordnet. Aha! Achwas! Na dann! Ob die präsentierten Tapeten, Textilien und Objekte einen Bezug zu Sindelfingen haben (Fundstücke?) oder inwieweit sie mit der Biografie der Künstlerin zusammen hängen, weiß sie nicht. Ich finde die an Jugendzimmer und Resterampen erinnernden Präsentationen nicht so richtig spannend, muss immerhin zwei, dreimal an Martin Kippenberger denken und bekomme vor den überdimensionalen Nudel-Gemälden im Obergeschoss des angeschlossenen Oktagons Hunger.

Beim Gehen entdecke ich dann überraschend einen Raumplan mit einigen Hintergründen (warum hat mir die Ausstellungsbegleiterin von deren Existenz nichts verraten?). Dort erfahre ich, dass die Räume in vier Kategorien unterteilt sind: richtig…„Minimal“, „Urban“ plus „Nature“ und „Modern“. Und zum Beispiel was es mit dem in einer Melone steckenden Mercedes-Stern auf sich hat: „Der sich drehende Mercedes-Stern ist eine Metapher auf die technisierte, moderne Welt: Er gehört ursprünglich einer anderen Werkgruppe an, die Fragen nach Original und Fälschung stellt.“ Leider kein Wort über die Melone, deren etwaigen (kritischen?) Symbolgehalt und einen eventuellen Bezug zum nicht weit entfernten Mercedes-Werk. Und gedreht hat sich der Stern auch nicht. Schönster Satz im Faltblatt: „Die PVC-Böden dienen der atmosphärischen Gestaltung des Raumes“.

Aber hey, stand im Flyer nicht auch, dass drei Tage zuvor der Ausstellungskatalog im Rahmen der Literaturtage Baden-Württemberg präsentiert wurde?  Der Titel „I had to think of you / Ich musste an dich denken“ sei wörtlich zu nehmen, steht da, „denn die eigentliche Schreibarbeit – Thema der Literaturtage – haben Freunde der Künstlerin übernommen, in dem sie Fotografien geschickt haben, die an Navas Werk erinnern und das Buch durch partizipatorische Elemente ergänzen“ (das „in dem sie“ steht dort so). Wow, könnte interessant sein, endlich partizipatorische Elemente, juhu! An der Rezeption liegt aber kein Katalog aus. Auf meine Frage hin eilt die Dame dann aber ins Galeriebüro und kommt wenig später mit einem Katalog zurück! Auch wenn ich auf den Katalogseiten, im Werksverzeichnis und im Impressum keinen Verweis auf die partizipatorischen Elemente der Freunde der Künstlerin (hat sie keine mehr?) finden kann, bin ich motiviert, den von Santiago da Silva mutig und ungewöhnlich designten Katalog käuflich zu erwerben. Und sicherlich hält auch der integrierte Text von Galerieleiterin Madeleine Frey einige Erhellungen für die adäquate Besuchs-Nachbearbeitung bereit. „Hmm, der ist noch gar nicht im Verkauf, ich habe keine Anweisung, was der kostet“ entmutigt mich die Rezeptionistin sofort. Ich muss an etwas, das ich hier nicht schreibe, denken und verlasse die Galerie Stadt Sindelfingen.

Gut, dass es die Kunsthalle Tübingen und das Museum Ritter gibt! Trotz des regen Andrangs am letzten Öffnungstag der Ausstellung von Shirin Neshat empfangen einen die auf alle Räume verteilten Aufsichten gutgelaunt mit netten Worten und dezenten Hinweisen auf die Aufteilung der Exponate und Filme. Interessante und ungezwirbelt geschriebene Wandtexte verraten Werkzusammenhänge und schlagen mögliche Interpretationen vor.
Auch im Waldenbucher Museum Ritter werde ich drei Tage später von gut gelaunten Mitarbeitern empfangen, die einem ohne jede „Ausstellungsbegleiter“-Titulierung gefragt und auch teils ungefragt interessante Hintergründe zu den Exponaten der Ausstellungen von Jacob Dahlgren und „Von Alu bis Zement. Bilder, Plastiken, Objekte“ verraten (Danke, Herr Feifel!). Dort komme ich endlich zu meiner Partizipation! Dutzende von roten und blauen Dart-Pfeilen liegen in zwei Eimern bereit, um auf die aus Dutzenden schwarz-weißen Dart-Zielscheiben bestehende Wandarbeit „I, the World, Things, Life“ geworfen zu werden! Meine Begleitung und ich lassen uns das nicht lange sagen und nutzen unser „Ich bin besser als Du“-Streben, um die humorvolle Op-Art-Arbeit visuell zu verändern. Sind die Pfeile in den Eimern aufgebraucht, werden alte von den Zielscheiben gepflückt! Yeah!

Liegt es nur am Geld? Muss und sollte Sindelfingen Eintritt verlangen und sich ausgebildete „Ausstellungsbegleiter" leisten? Oder bin ich der einzige, dem solche Dinge auffallen?

Achja: Auf der Homepage der Künstlerin, die ausschließlich ein 69-seitiges pdf-„Portfolio“-anbietet (hey, aber immerhin!), erfährt der scrollwütige Kunstinteressent tatsächlich ein paar Hintergründe zu den Exponaten, sieht aber auch, dass fast alle Sindelfinger Rauminstallationen bereits in anderen Ausstellungen, angepasst an die jeweiligen Räume, zu sehen waren.

Marko Schacher, 2. November 2017

Die Ausstellungsbesuche fanden am Sonntag 29.10.2017 und Mittwoch 1.11.2017 statt



9_Willkommen im Monturi-Wonderland!
Erinnerungen an die Vernissage plus Geheimkonzert von Jim Avignon in Böblingen


Die erstaunten Mimiken und großen Augen mancher, vor allem älterer Vernissagen-Besucher bei den ersten Elektronik-Klängen aus Jim Avignons Synthesizer werde ich nie vergessen! Never ever! "Welcome to the land of Monturi" sang und murmelte der Tausendsassa einladend ins Mikro, während er gleichzeitig allerhand Knöpfe an einem Mischpult drehte, diverse Tasten auf seinem Mini-Keyboard drückte, in den Knien wippte und sich gleichzeitig eine selbst gebastelte Maske vor den Kopf hielt. Soll noch einer sagen, Männer seien nicht multitaskingfähig! Jim Avignon ist das definitiv!

Ob er in diesem Moment als Einmann-Band "Neoangin", als Künstler Jim Avignon oder als Reinkarnation von Willi Baumeister im bestuhlten Erdgeschoss der Böblinger Zehntscheuer agierte, ist ebenso unklar wie unwichtig. Vielleicht war er in diesem magischen Moment eine Mischung aus Bob, dem Baumeister und Willi Baumeister. Jedenfalls war er extrem unterhaltend! Und das wusste das diesbezüglich in der Vergangenheit nicht gerade verwöhnte Publikum, nach der ersten Überraschung, durchaus zu schätzen. Böblingens ehemaligen Oberbürgermeister jedenfalls sah ich selig lächeln.

Gehüllt in ein blassrotes Tischtuch aus dem Fundus der Städtischen Galerie Böblingen und mit der schwarz-roten Monster-Maske schien Jim Avignon regelrecht aus seiner  überdimensionalen Papierarbeit "another day in monturi" gesprungen (und dem dortigen Zahnarzt entkommen?) zu sein, die direkt hinter ihm gleichzeitig als Bühnenbild und Exponat mit Klebeband an der Museumswand befestigt war. Als lebendes und höchst lebendiges Gesamtkunstwerk wirbelte er in diesem Moment die Schubladen "Bildender Künstler", "Bühnenbildner", "Musiker", "Sänger", "Schauspieler" und "Entertainer" durcheinander. Wöllte ich kunsthistorisch angeben, könnte ich von einem "Tableaux vivant" sprechen. Doch das will ich nicht. Es sei aber kurz erwähnt, dass auch Willi Baumeister vor 100 Jahren zahlreiche Bühnenbilder für Oper, Schauspiel und Ballet entwarf und verwirklichte, und sich Jim Avignon und Herr Baumeister garantiert sofort verstanden hätten. Durch die Beschäftigung mit Baumeisters Biografie und künstlerischer Entwicklung (gerade seine "Monturi"- bzw. "Montaru"-Bilder entwickeln eine interessante Dramaturgie) dürfen wir gespannt sein, wie Jim Avignon diese Kenntnisse in der Zukunft vertiefen und verarbeiten wird.

Drei Stunden später stand Jim Avignon hinter denselben Tasten und Knöpfen, aber in meiner Dreizimmer-Wohnung, um dort sein „exklusives Wohnzimmerkonzert“ für 50 ausgewählte Gäste und Verlosungs-Gewinner zu spielen. Bühnenbild war diesmal die Schrankwand meiner Großeltern. Die Grenzlinie zwischen Öffentlich und Nicht-Öffentlich schwappte hin und her (eigentlich ließen die beiden als Türsteher engagieren Teens jeden rein). Die Kunst breitete sich als Raumspray in der gesamten Wohnung aus und das Allover der Reize verwirrt und faszinierte zugleich. Auch dort kam die "Monturi"-Maske noch einmal zum Einsatz und wurde als Prämie für die wildeste Tänzerin verschenkt. Willi Baumeister hätte das gefallen!

Marko Schacher, 2. September 2017

Dieser Text erscheint im Katalog "Neo:Interpretiert. Jim Avignon im Dialog mit der Kunstsammlung
Böblingen" (veröffentlicht im Sept. 2017; in der Galerie zum Sonderpreis von 10 € erhältlich)






8_Die Poesie des Protests

Die dokumenta14 war/ist besser als ihr Ruf

Adam Szymczyk hat für seine documenta 14 viel Häme und Kritik von der Fachwelt einstecken müssen. Bemängelt wurde vor allem die Inanspruchnahme der Kunst als Lehrstoff, als Illustration von Ideologien. In der Tat suchte man innovative, unterhaltsame Kunst in Kassel vergeblich. Anregende Kunstwerke gab es aber genug! Und gute auch! Beim Fokus auf die Lichtblicke und die Würdigung der jeweiligen Präsentation hat manchem d14-Besucher aus Stuttgart eventuell die Abhärtung durch das politisch geprägte Programm von Christ/Dressler im Württembergischen Kunstverein geholfen. Ob Gustave Courbet seine 1868 entstandene Grafit-Zeichnung "Almosen eines Bettlers in Ornans" tatsächlich als „Meditation über die Macht des Teilens“ verstanden haben wollte, wie der Wandtext behauptet, mag bezweifelt werden. Aber die Integration in die Kasseler Neue Galerie machte Sinn – wie auch die des sehr emotionalen Gemäldes "Mann in Ruinen" aus dem Jahr 1937 von Karl Hofer.

Das Video "The Shadow" von Regina José Galindo, in dem die in Guatemala geborene Künstlerin von einem deutschen Leopard-Panzer verfolgt wird, mag etwas platt daher kommen, lässt einen aber trotzdem über die Macht des Waffenmarkts nachdenken. Auch über die Gesamtqualität der im Fridericianum gezeigten Sammlung des Athener Nationalen Museums für Zeitgenössische Kunst, lässt sich streiten. Wer aber die 10 Minuten für Bill Violas bereits 2004 gedrehtes Video "The Raft" aufbrachte, wurde mit einer unter die Haut gehenden, zeitlosen Illustration des gegenseitigen Mit- und Gegeneinanders konfrontiert.

Mehr oder weniger geordnet in die Themengebiete Musik, Körper, Religion, Kolonisierung, Ungleichgewicht der Erde usw. waren es vor allem die Präsentationen im Untergrund des Kulturbahnhofs und im leergeräumten Hauptpostgebäude die durch ihr Umfeld faszinierten. Selbst Marta Minujins zu Tode fotografierter "Parthenon of Books" entwickelte vor allem in den Abendstunden eine stille Poesie des Protests.

Ein Trend der d14 – wie auch der diesjährigen Biennale in Venedig (s.u.) – scheint die Ausweitung der Performance-Kunst zu sein. Besonders beeindruckend habe ich den Beitrag des spanischen Künstlers Matti empfunden, der mit einigen Helfern und dem Publikum jeden Abend um 18 Uhr zum Dauerkonzert "Social Dissonance" bat. Die vermeintliche Aufführung entpuppte sich u.a. als Mitmachaktion zum Thema Zuneigung, in der die Anwesenden ihre persönlichen Grenzen der körperlichen Kontaktaufnahme ausloten mussten. Andere Aspekte zum Thema brachten Ernst Lorenz/Lorenza Böttner, Annie Sprinkle und – dank Michel Auder – auch Cicciolina und Jeff Koons ein.

Humor war mit den TV-Zeichnungen von Ashley Hans Scheirl dann doch vertreten, und gute Malerei dank Miriam Cahn und Edi Hila auch. Toll auch die Land Art von Luis Weinberger. Mich motivierte der d14-Besuch, die Suche nach dem Einklang mit mir selbst und der meiner Umgebung engagiert fortzusetzen. Kein schlechtes Resultat also! Am Ende war es der Spruch auf einer unscheinbaren, 30 Jahre alten Mail-Art-Collage von Ruth Wolf-Rehfeldt, der mich am meisten anregte: "Life is my favourite Art".

Marko Schacher, 30. August 2017

Eine Version dieses Texts erscheint in der Ausgabe 46 des Stuttgarter Kulturmagazins "SuR"




7_Performances zwischen Punk und Poesie
Die Kunstbiennale in Venedig verwischt die Grenzen


Sigmar Gabriel, Harald Falckenberg, Markus Lüpertz, Thomas Demand, Udo Kittelmann, Christian Jankowski, Nicolaus Schafhausen, Axel John Wieder, Elke aus dem Moore, Andreas Baur, Martin Roth, Ulrike Groos, Christiane Lange, Eva-Marina Froitzheim, Eva und Adele, Jesus: schon beeindruckend, wen man während der Preview Days auf der 57. Kunstbiennale Venedig so alles trifft. Weitaus beeindruckender war jedoch der Besuch im deutschen Pavillon. Die langen Warteschlangen, die schweißtreibenden Temperaturen, die hohen Hotelpreise und die patzigen Prahlereien der Kollegen werden von den ergreifenden Eindrücken während der im Original fast vierstündigen Performance "Faust" schlichtweg aus dem Kopf geblasen.

Obwohl auch andere Länderauftritte in den Giardini längere Rezensionen verdient hätten (Dänemarks "Theatre of Glowing Darkness" von Kirstine Roepstorff, Israels Schimmelparade von Gal Weinstein, Ungarns „Peace on Earth“-Mahnung von Gyula Várnai), sind es vor allem die von Anne Imhof und ihrer Crew geschaffenen Bilder und Assoziationen, die in den Gehirnwindungen der Besucher für immer überdauern werden. Und auf deren Speicherkarten und Festplatten! Auch ich bin dem zwanghaften Versuch, die Erlebnisse festzuhalten, erlegen und habe mit dem Smartphone während der 220-minüten Performance über 500 Fotos geschossen. Richtig gut aber habe ich mich gefühlt, als ich die vermeintliche Message des Auftritts für mich interpretiert und befolgt habe, mein Handy ausgeschaltet und mich auf den Boden gesetzt habe. Um die anderen zu beobachten. Die Besucher. Nicht die Performer. 

"In meiner Arbeit geht es um die Freiheit, die Freiheit der Gedanken" – mit diesem einzigen Satz hat Anne Imhof, nachdem sie sich bei fast 50 Mitwirkenden bedankt hat, während der offiziellen Eröffnung des deutschen Pavillons ihren Beitrag kommentiert. Und in der Tat ist "Freiheit" einer der Blickwinkel, unter der man das Gesehene und Erlebte fokussieren kann. Die Besucher sind "frei", können im deutschen Pavillon umhergehen, wie sie möchten, während die von Anne Imhof mittels Choreographie und SMS-Nachrichten umher kommandierten Akteure scheinbar weitaus weniger Freiheiten haben. Aber ist dem wirklich so? Haben nicht in Wahrheit die Performer uns im Griff? Kaum ertönt ein Gitarrenriff aus dem Nebenraum, strömen alle Besucher dort hin. Sobald jemand ein Mikro ergreift (grandios: Franziska Aigner), verstummen alle. Kaum laufen zwei, drei Menschen in hohem Tempo parallel oder hintereinander in dieselbe Richtung, macht man ihnen und ihrem "Laufsteg" Platz. Das Faszinierende ist die entschiedene Unentschiedenheit der Gesten! Die Grenzen zwischen Tanzen und Torkeln, Streben und Sterben, Kuscheln und Kämpfen, Catwalk und Exerzierplatz, Punk und Poesie verschwimmen. Auch die titelgebende Faust wird als ambivalente Droh-, Macht- und Sieger-Geste eingesetzt. In Sekunden wird die Bedrohung durch ein auf die Besucher gerichteten Wasserschlauch aufgelöst, indem der Performer den Schlauch als Dusche benutzt. Jeder Besucher wird andere Assoziationen haben, keine Aufführung gleicht der anderen. Man kann die Darbietung als Film, Theater, Skulpturenansammlung oder Landschaftsgemälde rezipieren. Oder als interaktive Performance, als "Situation" à la Tino Seghal, aber mit Fotografiererlaubnis.

Überhaupt scheinen die Grenzbereiche der Performance diesmal die Biennale di Venezia zu bestimmen. Im französischen Pavillon locken ein Tonstudio, eine futuristische Papp-Architektur und abstruse Instrumente hoffentlich Musiker an. Im japanischen Pavillon dürfen die Besucher ihren Kopf durch den Boden stecken und vor den Augen und Kameras der anderen in eine Miniaturwelt eintauchen. Nevin Aladag ließ während der Preview-Woche sieben Tänzerinnen sieben Songs als Highheels-Abdrücke auf Kupferplatten steppen (anzuschauen im auf dem Arsenale-Gelände versteckten "Performance Pavillon"). 
Dass Erwin Wurm seine "One Minute Sculptures" im österreichischen Pavillon in den ersten Tagen von ernst drein schauenden Performern aufführen lässt, war eine gute Idee. Seitdem werden seine Objekte wieder für Lachnummer-Selfies benutzt. Oder eben auch nicht. Ihm selbst dürfte das egal sein. So entspannt wie Erwin Wurm habe ich noch keinen Künstler während einer Pavillon-Eröffnung gesehen. „Ich hasse Pathos, deshalb mache ich auch solche Arbeiten“, erklärt er mir seine Gelassenheit hinterher.

Sowohl Candice Breitz im Südafrika-Pavillon als auch Teresa Hubbard und Alexander Birchler im Schweizer Pavillon hinterfragen mit ihren Film-Installationen die Grenzlinien zwischen Fakten und Fiktion.

Da man das von Christine Macel kuratierte „Viva Arte Viva“-Sammelsurium getrost vergessen kann, bleibt mehr Zeit für die „Collateral Events“: Wer auf Reizüberflutungen steht, sollte die „Intuition“-Ausstellung im Palazzo Fortuny und die Damien Hirst-Schau im Palazzo Grassi und der Punta della Dogana nicht verpassen. Auch die „Future Generation Art Prize“-Schau im Palazzo Polignac hält mit EJ Hill (unbedingt in den Garten gehen) und Christian Falsnaes zwei spannende Performance-Positionen bereit. Jedes Schlange-Stehen wert ist die von Udo Kittelmann kuratierte Schau „The Boat is leaking. The Captain lied“ in der Fondazione Prada, die Bühnenbilder von Anna Viebrock mit Fotos von Thomas Demand, Filmen von Alexander Kluge und der Palazzo-Patina zu einem begehbarem Gesamtkunstwerk vereint, innerhalb dem selbst Helge Schneider Sinn macht. "In der Ausstellung weiß man nicht, ob man Akteur oder Zuschauer ist", diktiert Thomas Demand einem Journalisten in den Schreibblock, und ergänzt: „Das ist doch genau unsere Lage momentan.“

Am Schluss ist es aber eine im Nebenraum des koreanischen Pavillons präsentierte, aus allerhand unterschiedlichen Gläsern bestehende Installation von Cody Choi, die mich zu Tränen rührt. Während die zu einer Skyline vereinten Trinkgefäße von Lichtern und Trockeneisnebel umtanzt werden, singt Richard Sanderson "Dreams are my Reality".

Info: Wer das Glück hatte, zwischen dem 22. und 25. Juni, dem 3. und 6. Oktober oder dem 23. und 26. November 2017 nach Venedig zu kommen, konnte eine fast vierstündige "Faust"-Aufführung im deutschen Pavillon sehen. Außerhalb dieser Zeitfenster wurden täglich eineinhalbstündige "performative Sequenzen" zur Mittagszeit aufgeführt..

Marko Schacher, 26. Mai 2017

Die Preview Days der Biennale fanden vom 17. bis 19. Mai statt; Biennale-Ende: 26. November 2017

Eine gekürzte Version erschien in der Ausgabe 45 der Zeitschrift "SuR.KulturPolitik für Stuttgart und Region"



6_
kommt!

5_
kommt!

4_
kommt!

3_
kommt!




2_Hilfe, Artcore!
The Heavy Entertainment Show der Online-Kunst


Als Galerist und Kunst-Fan freut man sich, wenn die Bildende Kunst Einlass in eine große Tageszeitung findet. Auch gegen den Abbau von Hemmschwellen gegenüber der ach so hehren Kunst ist prinzipiell nichts einzuwenden. Was mir da aber in der zwölfseitigen Broschüre „Kunst & Schmuck“ als Beilage in der Wochenendausgabe Samstag/Sonntag 5./6. November 2016 ins Haus geflattert ist, taugt als ideale Bebilderung des Worts „Fremdschämen“ in jedem Kunstlexikon.
Die unter der Überschrift „Besondere Ideen, erlesene Geschenke“ präsentierten Objekte haben leider
weder mit „Kunst“ noch mit „Schmuck“ besonders viel zu tun – und mit „besonders“ und „erlesen“ erst
recht nicht. Wie es Claude Monet wohl gefunden hätte, wenn ihm in Paris eine Dame mit gezücktem
Stockschirm begegnet wäre, auf dem ein Ausschnitt aus seinem „Mohnfeld bei Argenteuil“ abgebildet ist (Preis: 59 €)? Eine 16 Zentimeter hohe „mit Loriots Signatur versehene“ (nicht etwa eigenhändig signierte!) Kunstguss-Skulptur „Herren auf der Rennbahn“, Auflage 1.499 Exemplare (!!), kostet 820 € (!!!). Die 84 x 90 cm große Reproduktion eines „Stadtklangs" von“ Robert Hettich (????), Auflage 199 Exemplare, 890 €. Mit Formulierungen wie „6-Farb-Pigmentauftrag auf Alu-Dibond“ und „Fine Art Giclée-Verfahren direkt auf Künstlerleinwand aus 100% Baumwolle“ wird Unwissenden eine irreale Hochwertigkeit suggeriert.

Ob es wirklich der adäquate Weg ist, das Gedächtnis an große Künstler frisch halten, indem man
briefbeschwerergroße Bronze-Abgüssse ihrer kitschigsten Skulpturen in einer Auflage von 980
Exemplaren für 1.300 bis 1.500 € anbietet? Die Ernst Barlach Gesellschaft und die Emil Nolde Stiftung
Seebüll haben diese Frage offenbar mit einem „Ja“ beantwortet. Seltsam, dass man Noldes „weltweit
exklusiv bei ars mundi“ angebotene Skulptur „Java-Tänzerin“ im Internet bei zahlreichen anderen
Anbietern, teils billiger, teils teurer findet.
Leider hat es mein persönlicher Liebling, die Gartenfigur "Die verliebten Birkenpilze" (unbegrenzte
Auflage, Höhe: 31 cm, 128 Euro), die auf der Doppelseite in der Wochenendausgabe 18. Juni/19. Juni
2016 direkt unter der Überschrift "Die Stuttgarter Nachrichten präsentieren: Die Welt der Kunst"
angepriesen wurde, nicht in die Broschüre geschafft. Der Satz „wertvolle Einzelexemplare großer
Künstler" ist auch raus geflogen. Immerhin!

Schade, dass die beiden großen Stuttgarter Zeitungen bzw. deren Herausgeber eine solche Kooperation eingegangen sind und dafür ihre Adresse www.stuttgarter-nachrichten.de/kunst hergeben. Zahlreiche Stuttgarter Galeristen (die aus anderen Städten natürlich auch), in deren jahrelanger Kunstvermittlungsarbeit viel Ideologie und Selbstausbeutung steckt, würden sich über eine ähnliche Kooperation freuen – und haben echte, in kleinen Editionen gedruckte und gegossene Kunstwerke zu realistischen Preisen im Programm.

Auf den beiden „Kultur“-Seiten in derselben Wochenendausgabe findet die Bildende Kunst leider (mal
wieder) keine Beachtung. Stattdessen wird auf einer 2/3-Seite das neue Album „The Heavy Entertainment Show“ von Robbie Williams besprochen. 2/3 der Rückseite werden dem „Lolita“-Saisonauftakt im Staatsschauspiel Stuttgart gewidmet.

Wenig später muss ich durch einen (ausschließlich auf englisch geschriebenem) nicht bestellten
Newsletter feststellen, dass eine ehemalige Stuttgarterin jetzt für „Art Consultancy & Cooperation“ bei
einer Kunstedition zuständig ist, bei der fußlahme Kunstfans u.a. einen in einer 100er-Auflage
erschienenen, unspannenden Inkjet Print von Wolfgang Tilmans, Format 48,3 x 32,9 cm, für 1.400 €
erstehen können. Ohne Rahmen versteht sich. Das Stockholmer Moderna Musset bietet diesen
2012 angeblich für ihre Mitgliedsfreunde exklusiv gefertigten Ladenhüter nach wie vor für 550 € an.

Auch auf die Gefahr hin, mit „altmodisch“, „oldschool“ und/oder „weltfremd“ etikettiert zu werden:
Ich glaube an die Aura des Kunst-Originals, an die Wertigkeit eines Face-To-Face-Kundengesprächs
– und an den gesunden Menschenverstand.

Marko Schacher, 8. November 2016

Die Broschüre lag am 5.11.16 u.a. den „Stuttgarter Nachrichten“ und der
Stuttgarter Zeitung“ bei.




1_Der Kritiker als Limbo Dancer
Beruf Kunstkritiker, Berufung Konzerttänzer

Die Fragen im Flyer des Kunstbüros der Kunststiftung Baden-Württemberg waren durchaus interessant:
„Welche Rolle spielt die Kunstkritik und wie lässt sie sich betreiben? Trägt die Kunstkritik zur Steigerung
des Marktwertes bei? Für wen wird sie geschrieben?“ Auch die in der Einladung vermerkte Feststellung,
dass unabhängige Außenperspektiven aufgrund der „allseitigen Vernetzungen im virtuellen und realen
Leben“ und wegen der „vielschichtigen Verflechtungen innerhalb des gesamtes Feldes“ nur „schwer
einzunehmen sind“, kann ich aus meiner eigenen Perspektive nur unterstreichen.

Leider hielt die dazugehörige, vom scheidenden Kunstmuseums-Kurator Sven Beckstette an seinem
Noch-Arbeitsort unter der Überschrift „Beruf Kunstkritiker/in. Herausforderungen, Einflussnahme und
Möglichkeiten“ moderierte Veranstaltung nicht, was sie versprach. Antworten auf die obigen Fragen gab
es nicht. Kein Wunder, weil die Fragen gar nicht gestellt wurden. Schön, dass sich Dr. Jörg Heiser (Frieze),
Catrin Lorch (Süddeutsche Zeitung), Hanna Magauer (Texte zur Kunst) und Kolija Reichert (F.A.Z.) darin
einig waren, dass eine gewisse Boulevardisierung der Kunstkritik stattgefunden hat. Leider wurden weder
deren Gründe noch deren Folgen wirklich und ehrlich erörtert. Lokalmatador Nicolai B. Forstbauer
(Stuttgarter Nachrichten) verwies auf die neuen Möglichkeiten des Internets und hatte sichtlich und hörbar
Schwierigkeiten, sich in die familiäre Runde einzubringen. Kein Wunder, dass am Ende nur eine einzige
junge Besucherin den Finger hob, als Kolija Reichert wissen wollte, wer jetzt immer noch tatsächlich
Kunstkritiker werden möchte.

Schade, dass man keinen vermeintlich unabhängigen Blogger eingeladen hatte, und schade, dass man
die im Einladungsflyer skizzierten Abhängigkeiten nicht offen erörterte. Solch ein Text, wie er an dieser
Stelle steht, würde unbearbeitet nie seinen Weg in eine Tageszeitung finden. Selbst ich erwische mich
beim Ansetzen der virtuellen Selbstzensur-Schere beim Tippen dieser Sätze. Auch ich befinde mich als
Galerist und Kurator und, ja, Journalist/Autor in Abhängigkeiten, will „meine“ Künstler in Institutionen und
Sammlungen unterbringen und meine Ausstellungen in der Presse berücksichtigt finden – und Aufträge.
Auch ich kann und will es mir buchstäblich nicht leisten, es mir mit bestimmten Kulturschaffenden zu
verscherzen. Und trotzdem muss es doch erlaubt sein, offen seine Meinung zu äußern. Oder?

Leider erst nach der Veranstaltung fiel mir das Büchlein „Schreiben über Kunst“, herausgegeben von
der Schweizer Sektion des internationalen Kunstkritikerverbunds AICA in die Hände. Unter der
Überschrift „Limbo Dance“ beschreibt der Kurator und Kritiker Daniel Morgenthaler einen der Gründe
für die Zahnlosigkeit der meisten heute erscheinenden Ausstellungsbesprechungen. Er fragt: Wo steht
der Kunstkritiker heute? Und antwortet: „Irgendwo zwischendrin, in einer Art Limbo. Zwischen Künstlern
und Kunstrezepienten, zwischen Kunstwerk und Publikum. Aber auch: Zwischen man und ich. Zwischen
Kuratieren und Kritisieren. Zwischen Journalismus und Literatur“. Im Folgenden erläutert er das jeweilige
„Dazwischen“ für jeden der genannten Punkte – und erläutert beim Stichwort „Zwischen Kuratieren und
Kritisieren“: „So lange es diese Personalunionen von Kritikern und Kuratoren gibt, ist es unumgänglich,
dass man sich für sich selbst einen griffigen Kodex aufstellt, der einen die Gleichgültigkeit der
verschiedenen Rollen ertragen lässt.“
Ein frommer Wunsch! Fast jeder Journalist, den ich kenne, steckt nebenher in Kunstauswahl-Jurys, ist in
Stiftungen von Künstlern oder deren Nachlässen aktiv oder als Kurator und/oder Kunstberater für Sammler
und/oder Banken/Firmen tätig. Umsomehr mag ich die „Stuttgarter Nachrichten“-Kolumne von Joe Bauer
und die ehrlichen Kritiken von Georg Leisten, den ich noch nie in einer Jury, einer Stiftung oder als
Ausstellungskurator gesehen habe. Auch wenn seine vermeintlichen Verrisse oft Folge einer Uninformiert-
heit sind. Eine gute Ausstellung muss ihre Qualitäten und Aura auch ohne die zuvorige oder gleichzeitige
Lektüre von erläuterndem Textmaterial entfalten. Meine Meinung. Georg Leistens Meinung.
    
Ist es naiv zu denken, dass sich Mut nach wie vor lohnt? Sollten nicht die heute Jungen viel mutiger sein
als…ich schreibe jetzt mal einfach…wir Alten (ich bin Jahrgang 1970). Ein kürzliches Erlebnis hat mich
diesbezüglich skeptisch gemacht: Beim Stuttgarter Auftritt des Berliner Techno-Projekts „Brandt Brauer
Frick“ während des New Fall-Festivals im vollständig bestuhlten Weißen Saal des Neuen Schlosses sind
alle Besucher – das Durchschnittsalter schätze ich auf Mitte 20 – brav sitzen geblieben. Obwohl es die
meisten angehörs der tanzflurtauglichen Elektro-Klängen sichtlich kaum in den Sitzen hielt. Und wer
machte den Anfang? Wer stand als erster (1. Reihe, ganz rechts) auf, um mit unbeholfenen Tanzmoves
den Saal zu…ähem…rocken? Ja, jetzt riecht es ein bisschen, Eigenlob stinkt: Ich!
Exkurs: Im Karlsruher ZKM tippte mir jüngst beim Auftritt von Kraftwerk ein Anfangzwanzigjähriger
auf die Schulter und unterbrach meine Tanzbewegungen mit dem kühlen Verweis „Tschuldigung, Sie
sind nicht alleine hier“. Kunstpause.
Sehr schön: Sechs bis acht Brandt Brauer Frick-Mittänzer waren sogleich zur Stelle. Eine höfliche, sehr
junge, aber auch sehr kleine Dame auch. „Bitte setzen Sie sich wieder auf Ihren Platz. Aufstehen
und Tanzen ist verboten“, raunte sie mir ins Ohr. Ich antwortete „Warum?“, bekam keine Antwort und
setzte meine Tanzgymnastik fort. Die meisten Mittänzer nicht. Belohnt wurde mein Ungehorsam mit
einem breiten Grinsen, einem Gimme Five-Handschlag und einem „Thank you for start to dance“ des
Backgroundsängers, der sich mit seiner Kollegin zwischenzeitlich zu mir gesellte. Und mit dem Lob
„Danke fürs Regeln Brechen“ einer jungen, charmanten Besucherin. Vielleicht sollten und müssten
„Regeln“ viel häufiger gebrochen werden?!

Kolija Reichert ist Jahrgang 1982, Hanna Magauer dürfte noch jünger sein. Hoffen wir das beste!

Marko Schacher, 4. November 2016

Die genannten Veranstaltungen fanden in Stuttgart am 28.10.16 im Kunstmuseum und am 29.10.16
im Neuen Schloss statt 






Rückblick:


Soziale Plastik relaoded
Christos Floating Piers-Therapie


Darf bzw. kann es in Zeiten, in denen wir fast täglich mit neuen Horrormeldungen und Attentatsbildern
überschüttet werden, überhaupt unpolitische Kunst geben? Sollten sich Künstler den Geschehnissen
stellen und sie thematisieren? Auf den ersten Blick ist Christo mit seiner Mainstream-Kunst sicher kein
politischer Künstler. Wer allerdings im Juni/Juli seine „Floating Piers“ besucht hat, könnte das anders
sehen. Klar war die Anfahrt anstrengend, natürlich können einem eventsüchtige Menschenmassen den
Spaß am individuellen Kunsterlebnis vermiesen. Aber in dem Moment, in dem man es geschafft hat,
die etwa 8.000 gleichzeitig auf den sanft schwankenden Wasserstegen laufenden und sitzenden
Besucher als Bestandteil einer gemeinsamen „sozialen Plastik“ zu sehen, war alles gut!

Vielleicht ist Christo der zeitgemäßere Beuys. Eventuell ist das vermeintlich Unpolitische seiner Kunst
gerade das Politische. Vielleicht ist die Demokratie seiner Projekte (kein Eintrittsgeld, keine V.I.P.-Areas,
keine Führungen) der reizvollste Aspekt in seinen gemeinsam mit Jeanne-Claude entwickelten Werken.
Ohne ihre eigenen Identitäten völlig aufzugeben, verschmolzen stolze Italiener, aufgeregte Asiaten,
traumatisierte Türken und internationale Touristen vor Ort mindestens für die Dauer ihres Besuchs zu
einem friedvollen Ganzen. Wohin man auf den gelb-orangen „Floating Piers“ sah: lächelnde Gesichter
– bei den picknickenden Großfamilien, Räder schlagenden Kindern, ihre nackten, muskulösen Oberköper
präsentierenden Bodybuildern, liegend vor dem blauen Iseo-See posenden Girls und bei den mutigen
Rollstuhlfahrern. Wer nicht gleich aufgab, konnte auch in der zweiten Woche von den Aufsichten noch
eines der kleinen Stoff-Quadrate ergattern. Dass zu dieser Zeit die Piers von 0 bis 6 Uhr (offiziell für
Aufräum- und Reparaturaufgaben) gesperrt waren, war schade, gewährte den Involvierten aber so
ebenfalls eine Aus-Zeit vom Stress.

Erstaunlicherweise wagte kaum ein Christo-Fan eine Erwanderung der Monte Isola. Wer ganz oben auf
dem Berg, einsam auf der Terrasse der Kirche Santuario Madonna della Ceriola, die soziale Skulptur als
ästhetisches Landschaftgemälde bzw. sinnliche Land Art aus der Ferne wahrnahm und eine kleine
Freudenträne aus dem Auge drückte, dem war und ist es egal, ob die Waffenherstellerdynastie Beretta
zur Verwirklichung nicht nur ihr Ferien-Inselchen San Paulo und ihre Verbindungen zum Iseosee
Präsidenten Giuseppe Faccanoni mit eingepracht hat. Dass Christo die Idee zum Wiederaufgreifen
seiner „Flaoting Piers“-Pläne im April 2014 auf der Heimfahrt von seiner Auszeichnung mit dem
Theodor-Heuss-Preis in Stuttgart hatte, ist vielleicht auch egal, aber eine schöne Anekdote.

„Holidays are cheaper than therapy“ verkündete das T-Shirt einer asiatischen Pier-Wandlerin. Für mich
waren die acht Stunden Christo mein Sommerurlaub.

Marko Schacher, Juli 2016

Dieser Text ist in der Ausgabe 42 der Zeitschrift "SuR.KulturPolitik für Stuttgart und Region" erschienen